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Sonntag, 20. Dezember 2009
Wie der Weihnachtsmann Weihnachten feiert
tobi-wan, 15:27h
Wieso jedes Jahr wieder, wo er doch im tiefsten Innern keine Lust hatte?
Daniel, sein sechsjähriger Neffe, stand vor ihm und sagte ein Gedicht auf. Der Junge wippte dabei leicht mit dem Oberkörper und machte zwischen den Versen kurze Pausen, um nachzudenken. Wie im letzten Jahr. Und in dem Jahr davor. Neu war, dass Daniels Schwester mittlerweile auch stehen konnte. Sprechen ging noch nicht so gut. Aber in ein, zwei Jahren, da würde sie wahrscheinlich ein eigenes Gedicht vortragen. Neben ihrem Bruder. Scheiße. Langsam bildete sich Schweiß unter dem weißen Bart, welcher an des Onkels Gesicht klebte. Der schwere, rote Mantel, auf dem Weg zum Haus seiner Schwester wie gewohnt ein vortrefflicher Garant für Wärme, wurde im überheizten Wohnzimmer zur tragbaren Sauna. “Daniel, sag doch noch das „Weihnachtswunder“ auf, das kannst Du so schön“. Bitte nicht. „Durch den Flockenfall, klingt süßer Glockenschall…“ Fuck.
Als Daniel sein zweites Gedicht beendet hatte, ging es weiter wie üblich. Alles folgte dem einstudierten Weihnachtsprotokoll. Der Weihnachtsmann lobte, wie brav die Kinder dieses Jahr gewesen waren. Daniel schaute überall hin - nur nicht in die Augen des großen Mannes, der angeblich mit seinem Schlitten zu ihm gekommen war.
Dann gab’s endlich Geschenke. Und während die Kinder auspackten, wurde der Weihnachtsmann von seiner Schwester beiseite genommen. „Schön, dass Du das jedes Jahr wieder machst.“ Ihr Mann ergänzte: „Ja, wirklich klasse.“ Santa Clause nickte nur. Antwort in Gedanken: „Gut, Pflicht erfüllt. Kann ich jetzt also saufen gehen.“
Szenenwechsel zu „Johnny B.‘s Schenke“. Auch die gehörte jedes Jahr dazu. Dieselbe schmutzige Theke, dieselben Hirschbilder, dieselbe rauchgefüllte Luft, dieselben Gesichter.
Wer um diese Zeit hier saß, der hatte keinen besseren Ort. Oder er war zumindest zutiefst davon überzeugt.
Es folgten Bier, Jägermeister, Bier, Wodka, Jägermeister und Bier. „Weihnachssmann, wisso bringssu uhns kne Geschnke?“ Doch der hörte das gar nicht mehr. Das Schicksal hatte es so gewollt, dass der Weihnachtsmann dieses Mal auch ein Präsent bekam. Zumindest für eine Nacht. Am nächsten Morgen dann die Frage: „Willst Du noch bleiben?“ Nein, wollte sie nicht. Darüber solltest Du Dich aber nicht beschweren, Weihnachtsmann. Deine Aufgabe ist das Geschenkeverteilen, vergiss das nicht.
Daniel, sein sechsjähriger Neffe, stand vor ihm und sagte ein Gedicht auf. Der Junge wippte dabei leicht mit dem Oberkörper und machte zwischen den Versen kurze Pausen, um nachzudenken. Wie im letzten Jahr. Und in dem Jahr davor. Neu war, dass Daniels Schwester mittlerweile auch stehen konnte. Sprechen ging noch nicht so gut. Aber in ein, zwei Jahren, da würde sie wahrscheinlich ein eigenes Gedicht vortragen. Neben ihrem Bruder. Scheiße. Langsam bildete sich Schweiß unter dem weißen Bart, welcher an des Onkels Gesicht klebte. Der schwere, rote Mantel, auf dem Weg zum Haus seiner Schwester wie gewohnt ein vortrefflicher Garant für Wärme, wurde im überheizten Wohnzimmer zur tragbaren Sauna. “Daniel, sag doch noch das „Weihnachtswunder“ auf, das kannst Du so schön“. Bitte nicht. „Durch den Flockenfall, klingt süßer Glockenschall…“ Fuck.
Als Daniel sein zweites Gedicht beendet hatte, ging es weiter wie üblich. Alles folgte dem einstudierten Weihnachtsprotokoll. Der Weihnachtsmann lobte, wie brav die Kinder dieses Jahr gewesen waren. Daniel schaute überall hin - nur nicht in die Augen des großen Mannes, der angeblich mit seinem Schlitten zu ihm gekommen war.
Dann gab’s endlich Geschenke. Und während die Kinder auspackten, wurde der Weihnachtsmann von seiner Schwester beiseite genommen. „Schön, dass Du das jedes Jahr wieder machst.“ Ihr Mann ergänzte: „Ja, wirklich klasse.“ Santa Clause nickte nur. Antwort in Gedanken: „Gut, Pflicht erfüllt. Kann ich jetzt also saufen gehen.“
Szenenwechsel zu „Johnny B.‘s Schenke“. Auch die gehörte jedes Jahr dazu. Dieselbe schmutzige Theke, dieselben Hirschbilder, dieselbe rauchgefüllte Luft, dieselben Gesichter.
Wer um diese Zeit hier saß, der hatte keinen besseren Ort. Oder er war zumindest zutiefst davon überzeugt.
Es folgten Bier, Jägermeister, Bier, Wodka, Jägermeister und Bier. „Weihnachssmann, wisso bringssu uhns kne Geschnke?“ Doch der hörte das gar nicht mehr. Das Schicksal hatte es so gewollt, dass der Weihnachtsmann dieses Mal auch ein Präsent bekam. Zumindest für eine Nacht. Am nächsten Morgen dann die Frage: „Willst Du noch bleiben?“ Nein, wollte sie nicht. Darüber solltest Du Dich aber nicht beschweren, Weihnachtsmann. Deine Aufgabe ist das Geschenkeverteilen, vergiss das nicht.
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Dienstag, 6. Oktober 2009
Liebe und Benzin
tobi-wan, 02:39h
Der Geruch von Benzin, der hier in allen Räumen hängt, wird von mir mittlerweile genauso wenig wahrgenommen wie früher das Uhr-Ticken in meinem Kinderzimmer. Jedem Neuankömmling ging es schnell auf die Nerven, aber ich selber hörte es nur, wenn ich wollte.
Genauso ist es mit der Tankstelle: Wer die betritt, kann sich ihrem Geruch nicht entziehen. Ich hingegen wäre froh, würde ich das Benzin wieder riechen. Das bedeutete nämlich, dass ich einen Lebenswandel vollzogen hätte. Dass sich die schwache Stimme in mir durchgesetzt hätte, die ab und an sagt: „Geh weg von hier“. Stattdessen starre ich nach draußen und sehe entweder eine Wiese, deren Grün mich langweilt, oder ich beobachte die wenigen Kunden bei ihren immer-gleichen Verrichtungen. Dabei versuche ich mir vorzustellen, wo die Kunden herkommen und wo sie hinwollen, doch das gelingt mir nicht. Sie bleiben stets nur Leute, die Benzin kaufen. Einmal fragte ich einen Mann, einen Mann im mittleren Alter von harmlosem Äußeren, was er vorhabe. Der antwortete, das gehe mich nichts an. Seitdem warte ich auf Emmanuelle. Sie hat lange, offene, blonde Haare. Ihre Augen spiegeln Entschlossenheit, die selten einen Hauch von Verletzlichkeit zulässt. Außerdem spricht Emmanuelle mit französischem Akzent, weil sie aus Paris kommt. Sie ist von dort abgehauen, hat ihren immer fauler und selbstbezogener werdenden Mann verlassen und holt jetzt das Abenteuer nach, um das er sie betrogen hat. Eine Pistole biegt Emmanuelles Schicksal zurecht und an diese Pistole klammert sie sich, als sie meine Tankstelle betritt. „Gib mir all das Geld, wenn Du überleben willst!“ Ich erfülle ihren Wunsch, will jedoch mehr. „Erschieß' mich, oder nimm mich mit. Lass mich bloß nicht hier. Ich folge Dir, ich raube mit Dir, und ich helfe Dir töten, sollte das nötig sein. Du bestimmst die Regeln. Wir fahren durch's Land, wir überfallen, wen wir wollen und wir wohnen und lieben uns da, wo es uns passt. Was sagst Du, Emmanuelle, was sagst Du?“
Inspiriert vom Lied „Liebe und Benzin“, einem neuen Werk des Grafen.
Genauso ist es mit der Tankstelle: Wer die betritt, kann sich ihrem Geruch nicht entziehen. Ich hingegen wäre froh, würde ich das Benzin wieder riechen. Das bedeutete nämlich, dass ich einen Lebenswandel vollzogen hätte. Dass sich die schwache Stimme in mir durchgesetzt hätte, die ab und an sagt: „Geh weg von hier“. Stattdessen starre ich nach draußen und sehe entweder eine Wiese, deren Grün mich langweilt, oder ich beobachte die wenigen Kunden bei ihren immer-gleichen Verrichtungen. Dabei versuche ich mir vorzustellen, wo die Kunden herkommen und wo sie hinwollen, doch das gelingt mir nicht. Sie bleiben stets nur Leute, die Benzin kaufen. Einmal fragte ich einen Mann, einen Mann im mittleren Alter von harmlosem Äußeren, was er vorhabe. Der antwortete, das gehe mich nichts an. Seitdem warte ich auf Emmanuelle. Sie hat lange, offene, blonde Haare. Ihre Augen spiegeln Entschlossenheit, die selten einen Hauch von Verletzlichkeit zulässt. Außerdem spricht Emmanuelle mit französischem Akzent, weil sie aus Paris kommt. Sie ist von dort abgehauen, hat ihren immer fauler und selbstbezogener werdenden Mann verlassen und holt jetzt das Abenteuer nach, um das er sie betrogen hat. Eine Pistole biegt Emmanuelles Schicksal zurecht und an diese Pistole klammert sie sich, als sie meine Tankstelle betritt. „Gib mir all das Geld, wenn Du überleben willst!“ Ich erfülle ihren Wunsch, will jedoch mehr. „Erschieß' mich, oder nimm mich mit. Lass mich bloß nicht hier. Ich folge Dir, ich raube mit Dir, und ich helfe Dir töten, sollte das nötig sein. Du bestimmst die Regeln. Wir fahren durch's Land, wir überfallen, wen wir wollen und wir wohnen und lieben uns da, wo es uns passt. Was sagst Du, Emmanuelle, was sagst Du?“
Inspiriert vom Lied „Liebe und Benzin“, einem neuen Werk des Grafen.
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Donnerstag, 24. September 2009
Berechtigte Empörung
tobi-wan, 21:52h
„Was soll’n der Scheiß? Die Hypo Real Estate bekommt durchn Steuerzahler 100 Milliarden Tacken innen Arsch geblasen, weil se sich verspekuliert hat, aber wegen jedem Euro mehr Harz 4 jibbet Stress???
Neun US-Banken, die ohne Kohle von Uncle Sam längst gar nich mehr wär’n, ham ihren Investment-Fuzzies Boni von insgesamt 33 Mrd. Dollar vor de Füße geworf’n! Maßlosigkeit! Gier! Wo bleibt die Moral? Und was machen unsere Volksvertreter? Nüscht! Kassieren ihre 7000 Ocken im Monat, gehen aber zu keiner Sitzung, sondern lassen sich von ihren Sekretärinnen lieber die Flinte polier’n! So sieht’s aus! Die können sich ihre Wahl am Sonntag sonst wohin schieben. Ich mach dat nicht mehr mit. Geh ick lieber enkoofen. Im KiK, schön billig. Danach vielleicht noch zum Frisör, der schneidet mittlerweile für sieben Dinger. Und dann, wenn ick wieder in meene Bude bin, saug ick mir dit neue Album vonne Bono, der sing imma so schön über Gerechtigkeit.“
Neun US-Banken, die ohne Kohle von Uncle Sam längst gar nich mehr wär’n, ham ihren Investment-Fuzzies Boni von insgesamt 33 Mrd. Dollar vor de Füße geworf’n! Maßlosigkeit! Gier! Wo bleibt die Moral? Und was machen unsere Volksvertreter? Nüscht! Kassieren ihre 7000 Ocken im Monat, gehen aber zu keiner Sitzung, sondern lassen sich von ihren Sekretärinnen lieber die Flinte polier’n! So sieht’s aus! Die können sich ihre Wahl am Sonntag sonst wohin schieben. Ich mach dat nicht mehr mit. Geh ick lieber enkoofen. Im KiK, schön billig. Danach vielleicht noch zum Frisör, der schneidet mittlerweile für sieben Dinger. Und dann, wenn ick wieder in meene Bude bin, saug ick mir dit neue Album vonne Bono, der sing imma so schön über Gerechtigkeit.“
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Samstag, 22. August 2009
Kratzfest
tobi-wan, 23:55h
Ah. Endlich konnte ich mal wieder etwas von dem, was mich beschäftigt, in eine lyrische Form bringen. Tut gut.
Kratzfest
Seine Finger trommeln nervös
auf dem Oberschenkel umher.
Seine Augen blinzeln bös
als wäre viel Verkehr.
„Du entscheidest ganz allein
über die nächsten Schritte.
Für immer hier sein
oder abschlagen die Bitte.“
Eine makellose Welt
tut sich ihm auf.
Er als glänzender Held
alles wartet nur darauf.
Anmut, Charakter und Begeisterungskraft
dazu Schönheit, Stärke, Sexappeal.
Ihm in Sekunden verschafft,
das ist das Ziel.
Da schreit von hinten eine aus alten Tagen vertraute Stimme:
„Bleib bloß hier Du blöder Sack! Tritt Deine Illusion in die Tonne, wo sie hingehört. Und dann zünde die scheiß Tonne an! Du willst Dich befreien? Kein Ding. Stell Dich in die Fußgängerzone, sing ein Lied. Sing es laut und falsch und schau Dir die mitleidigen und verärgerten Blicke an, die von überall kommen werden. Und dann sag zu Dir selbst: Fickt Euch, ich fand’s geil!“
Kratzfest
Seine Finger trommeln nervös
auf dem Oberschenkel umher.
Seine Augen blinzeln bös
als wäre viel Verkehr.
„Du entscheidest ganz allein
über die nächsten Schritte.
Für immer hier sein
oder abschlagen die Bitte.“
Eine makellose Welt
tut sich ihm auf.
Er als glänzender Held
alles wartet nur darauf.
Anmut, Charakter und Begeisterungskraft
dazu Schönheit, Stärke, Sexappeal.
Ihm in Sekunden verschafft,
das ist das Ziel.
Da schreit von hinten eine aus alten Tagen vertraute Stimme:
„Bleib bloß hier Du blöder Sack! Tritt Deine Illusion in die Tonne, wo sie hingehört. Und dann zünde die scheiß Tonne an! Du willst Dich befreien? Kein Ding. Stell Dich in die Fußgängerzone, sing ein Lied. Sing es laut und falsch und schau Dir die mitleidigen und verärgerten Blicke an, die von überall kommen werden. Und dann sag zu Dir selbst: Fickt Euch, ich fand’s geil!“
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Montag, 13. Juli 2009
Kreativpause?
tobi-wan, 22:23h
Was ist denn mit diesem Blog los? Seit gut zwei Monaten gab's hier keine neue Kurzgeschichte. Liegt das am Zeitmangel des Autors, mangelnder Kreativität oder der Weltwirtschaftskrise? Tatsache ist, dass ich seit Anfang des Jahres wirklich verhältnismäßig viel Arbeit um die Ohren hatte, aber als Ausrede für die Textarmut dieses Blogs lasse ich das nicht gelten. Die aktuelle Weltwirtschaftskrise beschäftigt mich zwar intellektuell, ihre Auswirkungen spüre ich jedoch zum Glück (noch?) nicht am eigenen Leib. Die Wahrheit liegt also - wie so oft - in der Mitte und lautet mangelnde Kreativität. Allerdings finde ich diesen Umstand gar nicht so schlimm. Ich schreibe lieber eine längere Zeit lang keine künstlerischen Texte, als dass ich während dieser Zeit irgendwelchen Erwartungshaltungen nachgebe und unter Zwang Mist verfasse. Sollte meine Kreativität irgendwann zurückkehren, werde ich sie umso engagierter umsetzen.
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Freitag, 26. Juni 2009
Heal the world
tobi-wan, 14:10h
Welcher Mensch steckte hinter der Kunstfigur Michael Jackson? Diese Frage kann nur von wenigen beantwortet werden. Doch bei allen Skandalen um seine Person, bei allen Witzen über seine Nase, ein gemeinsamer Nenner bleibt wohl trotzdem: Er war ein großartiger Musiker, der dem Pop so viel mehr zu geben hatte als beliebiges Chartgedudel. Und genau dort, in seiner Musik, lebt er weiter.
Heal the world.
Heal the world.
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Donnerstag, 11. Juni 2009
Hingucken!
tobi-wan, 17:32h
Demnächst werde ich wahrscheinlich wieder eine Kurzgeschichte veröffentlichen, sie ist immerhin bereits zur Hälfte fertig. Für viel wichtiger erachte ich jedoch folgende, völlig kostenlos ins Netz gestellte Dokumentation mit dem Namen "Home":
http://www.youtube.com/watch?v=IbDmOt-vIL8&NR=1
Ich selbst habe sie zwar noch nicht gesehen, vertraue aber voll und ganz dem lobenden Urteil eines sehr guten Freundes.
http://www.youtube.com/watch?v=IbDmOt-vIL8&NR=1
Ich selbst habe sie zwar noch nicht gesehen, vertraue aber voll und ganz dem lobenden Urteil eines sehr guten Freundes.
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Donnerstag, 21. Mai 2009
Germanys Next Bulimie-Opfer
tobi-wan, 15:44h
Ja, in den vergangenen Wochen hat sich hier nichts geändert (ich schreibe eben nur, wenn eine kreative Phase es mir erlaubt) und ja, der folgende Text ist eine Wieder-Veröffentlichung. Zum Ende der aktuellen Staffel von Heidis Wichs-und Lästershow passt er aber ebenso gut wie damals zu ihrem Beginn.
Innere Schönheit
Eine Fleisch-und Makeup-Beschauung, vielerorts „Casting“ genannt.
Kribbeln in mir, besonders um Bauchgegend.
Ein Happen zu Essen, egal was, und ich kotze.
Der Kopf voll von weißem Rauch. Verhüllt jeden schwierigen Satz, den ich denke.
Bin hier, weil…
Gehe ins Hauptzimmer, man hat mich gerufen.
Beim Betreten des Raumes kurzer Hauch von Verwunderung in den makellosen Jury-Gesichtern.
Geht schnell weg, dann wieder Lächeln, eisig.
Beine werden schwach, geben fast nach.
„Du entsprichst leider nicht ganz unseren Vorstellungen.“
Keine Ahnung, was die Kotze noch unten hält.
„Danke für Deinen Mut. Auf Wiedersehen!“
So würde es ablaufen.
Ich hasse Spiegel, aber noch mehr hasse ich folgenden Satz:
„Auf die innere Schönheit kommt es an.“
Ich hasse ihn besonders, weil er nur von Leuten gesagt wird, die nichts davon verstehen.
Innere Schönheit
Eine Fleisch-und Makeup-Beschauung, vielerorts „Casting“ genannt.
Kribbeln in mir, besonders um Bauchgegend.
Ein Happen zu Essen, egal was, und ich kotze.
Der Kopf voll von weißem Rauch. Verhüllt jeden schwierigen Satz, den ich denke.
Bin hier, weil…
Gehe ins Hauptzimmer, man hat mich gerufen.
Beim Betreten des Raumes kurzer Hauch von Verwunderung in den makellosen Jury-Gesichtern.
Geht schnell weg, dann wieder Lächeln, eisig.
Beine werden schwach, geben fast nach.
„Du entsprichst leider nicht ganz unseren Vorstellungen.“
Keine Ahnung, was die Kotze noch unten hält.
„Danke für Deinen Mut. Auf Wiedersehen!“
So würde es ablaufen.
Ich hasse Spiegel, aber noch mehr hasse ich folgenden Satz:
„Auf die innere Schönheit kommt es an.“
Ich hasse ihn besonders, weil er nur von Leuten gesagt wird, die nichts davon verstehen.
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Sonntag, 3. Mai 2009
Ich tippe, also bin ich
tobi-wan, 03:09h
In Deinem Kopf fliegen Optionen dessen durcheinander, was Du in diesem Moment tun könntest: Das Abendessen vorbereiten, und zwar mit Planung und genügend Zeit; den langen Zeitungsartikel lesen, der Dein Interesse geweckt hat und an dem Dich nur die Masse an Text abstößt; die alte Springsteen-Platte auflegen, dabei dem Boss die Regie über Deine Gedanken überlassen. Alle Möglichkeiten befinden sich vor Deinen Augen, entfalten aber keine Wirkung auf Dich. Sie vereinnahmen Dich nicht, sondern schweben nur langsam verblassend vor Dir, während Dein Zeigefinger auf den Power-Knopf des PCs drückt. Ein künstliches Licht erhellt den Raum, in dem Du Dich befindest, und mit ihm Dein Gesicht, Dein angespanntes Gesicht.
Die Optionen, denen Du Dir gerade noch vage bewusst warst, sind verschwunden, ihre Einzelteile sickerten in Dein Unterbewusstsein und verharren dort bewegungslos bis zu ihrer Rückkehr. Du öffnest ein Chat-Programm, Deine Augen suchen gierig nach Freunden, die sich in einer Situation befinden, die Deiner gleicht. Schnell hast Du sie ausgemacht, schnell heißt es „hi“, „tach“ und „hey“, und immer wieder „hallo“, während bereits die ersten Rückmeldungen aufblinken.
Zügig bewegen sich Deine Finger über die Tastatur, formen Textfragmente, bei denen in der Eile Buchstaben ihre Plätze tauschen oder gar nicht erst an ihre Position kommen. Eben solche Bausteine schicken Dir Deine Freunde zurück. Es sind Spiegelbilder, aber das bemerkst Du nicht, lieber reagierst Du mit kleinen lachenden Gesichtern. Mal entsprechen sie Deiner Stimmung, oft dienen sie nur bloßem Entgegenkommen. So fliegen Gesprächsfetzen hin und her und formen dabei den Stromfluss der Globalisierung. Aber halt, wieso reagiert Natalie nicht? Egal, schon gehört Deine Aufmerksamkeit einem Link, der von Max kommt und Dir befiehlt, ihm zu folgen (Klick mich!). Du hast Dich gerade zum Pimmel über Berlin vorgearbeitet, da klettern zwei Affen aus Markus Chatfenster und beginnen ein Duett von „something stupid“. Entnervt werden sie weggeklickt, kurz darauf wirfst Du Max ein LOL hinüber. Mittlerweile hat die Laterne vor Deinem Fenster ihren Dienst aufgenommen, die Vögel kommen langsam zu Ruhe, doch Dein Körper löst sich nicht von den Eingabegeräten. Deine Zeitung ist zum Untersetzter geworden, verschmiert von einer Pizza, die entstellten Buchstaben sind genauso nutzlos wie der akustische Brei aus Deinen PC-Boxen. Längst hast Du Dich an beides gewöhnt, immer tiefer tauchst Du ein ins weiße Rauschen.
Am anderen Ende der Stadt legt Natalie ihr Buch beiseite und wartet still darauf, dass die Vögel schlafen gehen.
Die Optionen, denen Du Dir gerade noch vage bewusst warst, sind verschwunden, ihre Einzelteile sickerten in Dein Unterbewusstsein und verharren dort bewegungslos bis zu ihrer Rückkehr. Du öffnest ein Chat-Programm, Deine Augen suchen gierig nach Freunden, die sich in einer Situation befinden, die Deiner gleicht. Schnell hast Du sie ausgemacht, schnell heißt es „hi“, „tach“ und „hey“, und immer wieder „hallo“, während bereits die ersten Rückmeldungen aufblinken.
Zügig bewegen sich Deine Finger über die Tastatur, formen Textfragmente, bei denen in der Eile Buchstaben ihre Plätze tauschen oder gar nicht erst an ihre Position kommen. Eben solche Bausteine schicken Dir Deine Freunde zurück. Es sind Spiegelbilder, aber das bemerkst Du nicht, lieber reagierst Du mit kleinen lachenden Gesichtern. Mal entsprechen sie Deiner Stimmung, oft dienen sie nur bloßem Entgegenkommen. So fliegen Gesprächsfetzen hin und her und formen dabei den Stromfluss der Globalisierung. Aber halt, wieso reagiert Natalie nicht? Egal, schon gehört Deine Aufmerksamkeit einem Link, der von Max kommt und Dir befiehlt, ihm zu folgen (Klick mich!). Du hast Dich gerade zum Pimmel über Berlin vorgearbeitet, da klettern zwei Affen aus Markus Chatfenster und beginnen ein Duett von „something stupid“. Entnervt werden sie weggeklickt, kurz darauf wirfst Du Max ein LOL hinüber. Mittlerweile hat die Laterne vor Deinem Fenster ihren Dienst aufgenommen, die Vögel kommen langsam zu Ruhe, doch Dein Körper löst sich nicht von den Eingabegeräten. Deine Zeitung ist zum Untersetzter geworden, verschmiert von einer Pizza, die entstellten Buchstaben sind genauso nutzlos wie der akustische Brei aus Deinen PC-Boxen. Längst hast Du Dich an beides gewöhnt, immer tiefer tauchst Du ein ins weiße Rauschen.
Am anderen Ende der Stadt legt Natalie ihr Buch beiseite und wartet still darauf, dass die Vögel schlafen gehen.
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Dienstag, 14. April 2009
Kulissenabbau
tobi-wan, 18:44h
Hallo Du. Ja, ich meine Dich, der Du gerade auf Deinen Monitor schaust. Wirf einen Blick aus dem Fenster, meinetwegen auch nur in Gedanken! Was siehst Du? Vielleicht dasselbe wie ich? Eine schöne Gegend, bewaldet und nahe am Wasser, voller gepflegter Ein-und Zweifamilienhäuser? Oder Hochhäuser, die ihrem Betrachter ein Gefühl der Erniedrigung geben? Sind es Altbauwohnungen, ohne Schutz vorm Lärm der Straße? Egal. Was Du siehst, wird einem Ort ähnlich sein, von dem ich Dir erzählen möchte. Es gibt da ein Dorf, das ist durch und durch krank. Nicht das Dorf selbst, sondern seine Bewohner! Sie zeigen sich Dir beim Verlassen ihrer Häuser, wenn sie ihren alltäglichen Geschäften nachgehen. Einkaufen, der Weg zur Arbeit, Rasen mähen. Du wirst von ihnen gegrüßt, sie winken Dir zu, rufen ein fröhliches „Alles fit?“ in Deine Richtung. Sie bringen Deine Post, werden Dein Anwalt, schneiden Dir die Haare und unterrichten Deine Kinder. Manchen kommst Du näher, knüpfst vertrauensvolle Bänder, zeigst Dich ihnen nackt. Doch stehen sie hinter ihren Häuserwänden, weißt Du nicht, wie sie aussehen, dreinschauen, sich bewegen oder welche Wörter sie in den Mund nehmen. Die Frage lautet: Willst Du es wissen?
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