Samstag, 19. April 2008
Der eigene Weg
Sein Atem ging schnell, die verkrampfte Stirn war deutlich sichtbar.
Er stand jetzt vor dem Tisch, während sein Gegenüber saß und ihn mit Irritation ansah.
Eine schnelle Handbewegung schlug das Wasserglas vom Tisch.
Es flog einige Meter weit und zersprang an einer Kommode.
Seine Stimme klang tiefer als sonst, ein Zeichen für seinen ungewohnten Ernst.
„Du willst mir sagen, wie ich mich zu entscheiden habe?“
Der sitzende Mann blieb stumm. Der stehende wiederholte seine Frage schreiend.
„Du willst mir sagen, was ich tun soll?
Wieso zum Teufel glaubst Du, dass ich Dir vertrauen kann?
Wieso zum Teufel denkst Du, dass Du etwas wüsstest, was mir hilft?"
Ein Tritt gegen den Stuhl ließ diesen krachend am Tisch anschlagen, der schmerzende Fuß interessierte den stehenden Mann nicht.
Er sah zur anderen Seite des Tisches, wo sein Gegenüber saß und ihn weiter wortlos und leer anblickte.
Der stehende Mann wusste: Dieser andere Mann wird dort noch sehr lange sitzen.
Er musste mit ihm leben, aber vertrauen wird er ihm niemals.

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Donnerstag, 10. April 2008
Der Mann im Park
Vorbemerkung:
Die folgende kleine Geschichte habe ich vor etwa drei Jahren geschrieben und später nur ein wenig überarbeitet.
Sie ist damit eine der ersten Kurzgeschichten von mir.
Warum ich sie bisher noch nicht veröffentlicht habe, kann ich nicht genau sagen, ich fand sie wohl eher schlecht.
Mittlerweile denke ich aber, dass sie ein bestimmtes Lebensgefühl ganz ordentlich zum Ausdruck bringt, und daher stelle ich sie jetzt doch online.

Der Mann im Park

Als der Mann an diesem Abend den Park betrat, war es schon ziemlich spät.
„Normalerweise kommt er doch immer eine Stunde früher“,
dachte die alte Frau am Fenster gegenüber.
„Ob ihm diesmal irgendetwas dazwischen gekommen ist?“
Trotzdem ging der Mann wie gewöhnlich weiter, schaute weder
links noch rechts, und setzte sich auf die Bank in der Mitte, direkt neben den Mülleimer.
Einige andere Leute tauchten auf und verschwanden gleich wieder.
Sie gingen an dem Mann vorbei, als ob sie ihn nicht sehen konnten.
Doch auch der Mann schien wenig Notiz von Ihnen zu nehmen,
er schaute nur immer geradeaus.
„Was denkt er bloß?“, fragte sich die alte Frau.
Endlich rührte sich der Mann und nahm eine Zeitung aus der Tasche.
Doch anstatt sie zu lesen, warf er sie in den Papierkorb.
„Vielleicht wartet er ja auf jemanden“, mutmaßte die alte Frau.
Da fiel ihr ein, dass sich noch nie jemand zu dem Mann auf die Bank gesetzt hatte.

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Freitag, 28. März 2008
Klogedanken
Ein Empfinden, welches in seiner Widerwärtigkeit mit neutralem Gesichtsausdruck nicht zu ertragen ist und permanent den Wunsch nach dem Moment seines Verschwindens hervorruft, fesselt sie geradezu an ihr Klo. Sie kniet davor, zwei weiße Hände krampfen sich um den Rand. Ihre langen blonden Haare hängen übers Gesicht bis zum Wasser, ihr Kopf zuckt dabei ruckartig von links nach rechts. Viel Geld würde sie in diesem Moment geben, um gefühllos zu sein.
Ein kurzes, leicht stotterndes Würgen, sicher auch von außerhalb des Bads gut hörbar, dann schießt ihr Mageninhalt durch den Mund und besprenkelt das Porzellan. In ihrem Bauch breitet sich gefühlte Erlösung aus, endlich.
„Eine Art negativer Orgasmus“, denkt sie und ihr wird klar, was sie vor wenigen Stunden getrunken hat.
Schnell kehrt das Gefühl des Ekels zurück, schnell wird sie einen weiteren Teil des Alkoholgemisches los, wegen dem sie ihren Nachhauseweg nur mit Unterstützung eines Freundes geschafft hat. Sie zieht die Spülung, und noch während das Wasser läuft, übergibt sie sich erneut.
Ihre Haare sind jetzt bis zur Hälfte nass, Schweiß steht auf ihrer Stirn und Tränen in ihren Augen. Die Schuld an der momentanen Lage liegt allein bei ihr. Sie verträgt nicht viel, und doch folgte dem Sekt der Tequila, und dem Tequila folgte Wodka.
Gesucht hatte sie Ablenkung, nun bereut sie ehrlich.
Ihre Freundin Anja wurde gestern 25, natürlich war sie eingeladen.
Vor dem Studium wäre eher der Mond auf die Erde gefallen, als dass die beiden sich einen Tag nicht sehen oder wenigstens hören konnten. Hätte eine für die andere Tagebuch geschrieben, keinem Leser wäre es aufgefallen.
Wieder muss sie würgen, aber aller Alkohol ist mittlerweile draußen, der Rest im Blut.
Sie will Klopapier, um sich den Mund damit abzuwischen, kommt mit der Hand nicht ganz bis zur Rolle, steht auf, taumelt sogleich und kniet sich wieder hin.
Anja hätte vorhin in der Bar fragen müssen, ob sie mit ihr aufs Klo kommen wollte.
Doch Anja tat es nicht, sie ging alleine. Da wurde ihrer Freundin klar: Wir haben uns entfremdet.
„Wer ist schuld? Sie, ich, das Studium? Wie eng kann die Freundschaft gewesen sein, wenn der Drang zu ihrem Weiterführen nicht stark genug ist, um räumliche Entfernung auszugleichen?“
In ihrer jetzigen Situation hätte sie früher zum Handy gegriffen und Anja angerufen. Gerade fällt es ihr schwer, sich überhaupt zu erinnern, wo ihr Handy steckt.
Anja wäre sofort vorbeigekommen und hätte die Nacht neben ihr am Klo verbracht. In den Kotzpausen hätten sie geredet und gelacht.
Über Kleider und darüber, wer sie tragen kann und wer nicht (kein Lästern, nur Feststellen). Über die Frage, welche Opfer Liebe von einem fordern darf. Über Carries Schuhsammlung in Sex and the City. Und natürlich über ihren Ex Tobias. Da hätten sie ihre „Ein Leben ohne Tobi ist besser, weil…“ – Liste um viele Punkte erweitern können.
„Was geht heute in diesem hübschen, von schulterlangen schwarzen Haaren umrahmten Kopf vor, was will sie vor mir verstecken?“
Sie würgt, die Magensäure verbittert den Geschmack.
„Wo ist ihr eigentümlicher, verständnisvoller Blick, oder anders gefragt: Wer bekommt ihn jetzt?“
Es gab keinen Streit, keine bewusste Trennung.
Es gab nur weniger oft „Anja“ auf dem Handy-Display und ein Tagebuch mit Codewort, das ihre Freundin nicht mehr kannte.
Nach Abschluss dieses Gedankens zieht sie ihren Kopf aus dem Klo und atmet durch.
Sie weiß: Die Chance, es noch bis zum Bett zu schaffen, ist verschwindend gering.
Also schläft sie hier im Bad, und wenn sie morgen aufwacht, werden diese ganzen albernen Gedanken nur noch belächelt.
„Freundschaften kommen und gehen, so ist das eben.“

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Samstag, 22. März 2008
Interview mit mir selber
Hockt man Samstag Abend alleine in seinem Zimmer vorm PC, hat gerade mal wieder die alten Futurama-Folgen gesehen und hört Farin Urlaubs Livealbum rauf und runter, dann kann die Frage aufkommen:
Warum tust Du nicht etwas sinnvolles, wenn Du schon Dein normales Samstag-Abend Programm (Bar oder Party oder Kino oder so)nicht durchziehen darfst?
Oder: Was machen andere in ihrer Langeweile, wenn die eingangs erwähnten Tätigkeiten aber bereits erledigt sind, die Faulheit zum Lesen zu groß und gerade kein Partner für den Geschlechtsverkehr vorhanden ist?
Richtig, sie teilen ihre Gedanken der möglicherweise interessierten (Internet-) Öffentlichkeit mit.
Normalerweise tue ich das in Form von kleinen Geschichten, aber jetzt wird mal "mainstream-artig" gebloggt.
Und weil ich Zeitungs-Bimb... ähh Praktikant war, gibts ein kurzes Interview mit mir selber. Hat ein wenig was vom Onanieren, frei nach dem Motto: "Dann machs halt alleine". Los gehts:

Frage: "Herr XY, sollte die Olympiade in China aufgrund des brutalen Vorgehens der chinesischen Sicherheitskräfte gegen tibetanische Demonstranten boykottiert werden?"

Der Emo-Politiker in mir antwortet: Boykottiert die chinesische Olympiade und deren diktatorische Regierung mit all ihrer Repression und all ihrer Zensur am besten komplett und für alle Ewigkeit!
Der Real-Politiker aber weiß:
Ein Boykott löst kein Problem. Deutschland ist an guten diplomatischen Beziehungen zu China sehr interessiert, weil wir China als strategisch (aka wirtschaftlich) wichtigen Partner schätzen.

Frage: "Sollte sich die SPD der Linkspartei auch auf Bundesebene öffnen?"

Nein, und glücklicherweise sieht das Kurt Beck ja genauso. Oder nicht? Oder doch? Nach der Wahl 2009 wissen wir mehr.

Frage: "Genug der Politik. Verspüren Sie im Moment den Drang, jemandem so richtig die Visage zu polieren?"

Oh ja.

Frage: "Ich bitte Sie, Gewalt ist nie eine Lösung."

Weiß ich, na und?

Frage: "Ich bitte Sie, Sie sind erwachsen, einigermaßen gebildet und tragen eine Brille. Da macht man doch sowas nicht!"

Achso. Stimmt, hatte ich vergessen. Entschuldigung.

Frage: "Zum Abschluss sagen Sie doch bitte, wie es mit diesem Blog weitergehen wird."

Ich werde den Lesern pseudo-intellektuelles Gequatsche wie dieses auch in Zukunft aufs Möglichste ersparen. Aber Zeit ist damit ganz gut totzuschlagen. Und geht es im Leben nicht nur darum?

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Dienstag, 18. März 2008
Ein Platz zum Sitzen
Nicht weit entfernt, da betritt ein kleiner Mann die Kneipe, in der er noch nie zuvor war. Er steht für einen Moment im Eingangsbereich und sieht sich um. Hose und Hemd sind ungefähr zwei Nummern zu groß, aber wen stört das hier schon? Die Decke ist niedrig, es gibt nur wenige, schwache Lampen. An den Wänden hängen Bilder mit Hirschen auf Wiesen, auf Hügeln oder im Wald.
Der Mann zählt sechs Tische, an jedem sitzen mindestens zwei Personen. Alles ist aus dunklem Holz: Tische, Stühle, die Wände.
Stimmen vermischen sich mit Schlagermusik zu einem akustischen Brei, der durch den Raum wabert wie Rauchschwaden.
Der Wirt entdeckt den Mann und winkt ihn zu sich heran.
Keine Reaktion.
Nach erneutem Winken macht der Mann zögerliche Schritte in Richtung Tresen und stellt sich neben einen Barhocker.
Er bittet um Apfelsaft und verbringt viel Zeit damit, in die trübe Flüssigkeit zu starren.
Ein Mann mit Vollbart und ungekämmten, schulterlangen Haaren will wissen, warum der kleine Mann alleine am Tresen steht.
Der überlegt und fängt danach mit monotoner Stimme an zu sprechen, weiter mit dem Apfelsaft im Fokus.
„Ich muss stehen, weil ich keinen Ort mehr kenne, an dem ich gerne sitzen würde. Es gab mal einen Ort, wo ich das Sitzen mochte, aber sie haben mich von da vertrieben.“
Sein langhaariger Sitznachbar erkundigt sich nach dem Name des Ortes, doch der kleine Mann steht nur wortlos auf und geht zur Tür.
Kurz vor dem Ausgang dreht er sich um und schaut erneut in den Raum.
„Auch wenn die Decke höher, das Licht heller und die Wände mit geschmackvollen Bildern behangen wären, wenn sie mir zum Empfang ihre offenen Armen entgegenstrecken würden oder Münzen in meine Taschen steckten, ich könnte mich hier niemals hinsetzen.“
Dann verlässt er die Kneipe und tritt hinein in eine dunkle Nacht.

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Dienstag, 11. März 2008
Angekettet
Der Moment, den sie sieben Monate herbeigesehnt hatte, erschien für sie trotz ihrer zutiefst empfundenen Freude unwirklich:
Sie wollte mit Steve doch nur ins Kino, zu einer dieser romantischen Komödien, über deren vorhersehbare Handlung es in Hollywood eine Art Dogma geben musste. Steve hatte eingewilligt, mit ihr zu gehen („Weil Du es bist").
Gerade legte sie das fünfte Mal Hand an ihr Make-Up und verfluchte ihren Lippenstift, dessen Rot definitiv zu intensiv war, da klingelte es an der Tür. Zu früh für Steve, und doch stand er draußen. Ob er reinkommen dürfe, fragte er sie mit der Stimme, die er immer bekam, wenn er ihr etwas Wichtiges sagen wollte, was ihm aber aus unterschiedlichen Gründen schwer fiel.
„Klar“, erwiderte sie mit einer Mischung aus Verwunderung und Erwartung. Ein kurzes Zögern, ein unsicheres Lächeln, dann trat er ein. „So ein Auftreten ist überhaupt nicht seine Art“, dachte sie.
Als sie ihn vor sieben Monaten kennengelernt hatte, befand er sich – umringt von einem Kreis begeisterter Zuhörer - in der Mitte einer Bar auf einem Stuhl und hielt eine Lobrede auf ihren und seinen Kumpel Alex, der ihnen gerade von seiner anstehenden Hochzeit erzählt hatte.
Spontan war Steve aufgesprungen und konnte seine ohnehin schon stattliche Statur noch überhöhen, in dem er auf den Stuhl stieg. Doch was ihn damals wirklich groß machte, waren seine Worte. In sie legte er dank blitzblanker Rhetorik so viel Glaubwürdigkeit, dass selbst Marc Anton neidisch geworden wäre. Als er wieder auf den Boden zurückkehrt war, wollte sie, dass er das nächste Mal, wenn er auf einem Stuhl eine Rede hielt, dabei nur an sie dachte.
Jetzt kniete er vor ihr auf dem Boden, seine Gedanken waren gewiss ausschließlich bei ihr. Eben hatte er sie als die Liebe seines Lebens bezeichnet, nun lief ihr, der glücklichsten Frau der Welt, eine kleine Träne die Wange herunter. Er blinzelte mit den Augen und fragte, ob sie bereit sei. „Sicher“, flüsterte sie zurück.
Ihr Hochgefühl hielt an, als er die Eisenkette um ihr rechtes Handgelenk schloss. Die Kette war kalt, unendlich kalt, doch sie wollte es so, denn das andere Ende der Kette hing an ihm. Wenn sie mit ihren Freundinnen telefonierte, musste sie dazu den linken Arm benutzen, da ihr das Anheben des rechten schwer fiel, aber riet eine Freundin ihr deswegen, die Kette zu entfernen, dann erwiderte sie nur: „Rede nicht sowas, Du Dummchen, das gehört dazu.“ So verschwand das Gefühl der Schwere mit der Zeit und wurde durch Gewohnheit ersetzt. Überhaupt tat ihr die Kette viel weniger weh, wenn sie sich den Bewegungen von Steve nicht widersetzte. „Er ist doch sowieso stärker. Das muss so sein. Er ist der Mann.“
Hatte sie anfänglich noch ein wenig gegengehalten, so lernte sie bald, seine Wünsche zu lesen, ohne dass er den Arm bewegen musste. Natürlich schnitt ihr die Kette auch ohne Steves Ziehen in die Haut, aber das Blut ließ sich leicht wegwischen. Und wenn sie ihn befriedigte (dass sie dabei oben zu liegen hatte, las sie ihm bald von den Lippen ab), legte sie sich die Kette um den Hals, damit ihn das kalte Metall nicht störte.
Einmal kündigten sich ihre Eltern zum Besuch an. Da bat Steve seine Freundin, die Kette vergolden zu dürfen, damit sie schöner aussah.
Er lächelte sie an. Sein Lächeln enthielt genug Kraft, um damit alle Übel der Welt zu verbannen.
„Eine ganz wunderbare Idee hast Du da, mein Engel.“
Also saß sie kurze Zeit später neben Steve auf der Ledercouch des Wohnzimmers, dazwischen eine goldene, glänzende Kette, und ihnen gegenüber ihre Eltern, die an Steves Lippen hingen. Er erzählte von der Baumdichte des brasilianischen Regenwaldes, von der Siedetemperatur flüssigen Kerzenwachses und vom Vollkorngehalt seines bevorzugten Toastbrotes, und alle drei waren von Herzen dankbar, seinen Worten folgen zu dürfen.
Beim Gehen nahm ihre Mutter sie kurz beiseite.
„Du weißt bestimmt, dass Du Dich unendlich glücklich schätzen kannst, so einen Mann kennengelernt zu haben. Lass ihn nie wieder los mein Schatz! Hörst Du, Du darfst ihn nie wieder los lassen!“
„Ich wäre so dumm, wenn ich das täte“, dachte sie, als sie ihrer Mutter zum Abschied noch einmal zuwinkte.
Mittlerweile wohnen Steve und sie in einer anderen Stadt, weil sein Beruf es nicht anders zuließ. Sie ist sich sicher, dass er ihr bald den Antrag machen wird, auf den sie wartet.
„Für Dich warte ich, Steve, für Dich warte ich für immer“, flüstert sie oft, wenn sie abends neben ihm liegt und er schon fest schläft. Oder wenn sie seinem Wunsch nachgibt, sich vor ihm auf die Knie zu werfen.
Sie tut das gerne, denn sie liebt ihn, und er liebt sie ja auch.

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Montag, 3. März 2008
Den Blick geradeaus
„Nach vorne Junge, immer nach vorne!
Abseits davon existiert nichts von Bedeutung, weder links noch rechts.
Umsehen erfordert Energie, die Du effizienter einsetzen könntest. Umsehen führt zu Opportunitätskosten, die Du vermeiden musst.
Wem sehen die Leute lieber zu?
Dem, der zögert, langsamer wird, stehen bleibt?
Oder dem, der strammen Schrittes in eine Richtung geht, die er kennt?
Letzterer wird zum Vorbild für die zaudernden Massen, sie verlangen danach, glaube mir!
Dann wird niemand mehr den Kopf drehen oder stehen bleiben müssen, denn alle laufen geradeaus.
Ich bin Realist, daher gebe ich zu: Einige werden es nicht schaffen und weiter stehen bleiben.
Aber wen kümmert das, wenn die die Mehrheit nicht mehr da ist, um von denen zum Zögern verleitet zu werden?
Nach vorne Junge, immer nach vorne!“

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Samstag, 23. Februar 2008
Politik und Wirtschaft für Anfänger
Christdemokrat
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine.
Sie behalten eine und schenken ihrem armen Nachbarn die andere.
Danach bereuen Sie es.

Sozialist
Sie besitzen zwei Kühe.
Ihr Nachbar besitzt keine.
Die Regierung nimmt Ihnen eine ab und gibt diese Ihrem Nachbarn.
Sie werden gezwungen, eine Genossenschaft zu gründen, um Ihrem Nachbarn bei der Tierhaltung zu helfen.

Sozialdemokrat
Sie besitzen zwei Kühe.
Ihr Nachbar besitzt keine.
Sie fühlen sich schuldig,
weil Sie erfolgreich arbeiten.
Sie wählen Leute in die Regierung,
die Ihre Kühe besteuern.
Das zwingt Sie, eine Kuh zu verkaufen,
um die Steuern bezahlen zu können.
Die Leute, die Sie gewählt haben,
nehmen dieses Geld, kaufen eine Kuh und geben diese Ihrem Nachbarn.
Sie fühlen sich rechtschaffen.
Udo Lindenberg singt für Sie.

Freidemokrat
Sie besitzen zwei Kühe.
Ihr Nachbar besitzt keine. Na und?

Kommunist
Sie besitzen zwei Kühe.
Ihr Nachbar besitzt keine.
Die Regierung beschlagnahmt beide Kühe und verkauft Ihnen die Milch.
Sie stehen stundenlang für die Milch an. Sie ist sauer.

Kapitalismus pur
Sie besitzen zwei Kühe.
Sie verkaufen eine und kaufen einen Bullen, um eine Herde zu züchten.

EU Bürokratie
Sie besitzen zwei Kühe.
Die EU nimmt ihnen beide ab,
tötet eine, melkt die andere,
bezahlt Ihnen eine Entschädigung aus dem Verkaufserlös der Milch und schüttet diese dann in die Nordsee.

Amerikanisches Unternehmen
Sie besitzen zwei Kühe.
Sie verkaufen eine und leasen sie zurück.
Sie gründen eine Aktiengesellschaft.
Sie zwingen die beiden Kühe,
das Vierfache an Milch zu geben.
Sie wundern sich, als eine tot umfällt. Sie geben eine Presseerklärung heraus, in der Sie erklären,
Sie hätten Ihre Kosten um 50% gesenkt.
Ihre Aktien steigen.

Französisches Unternehmen
Sie besitzen zwei Kühe.
Sie streiken, weil Sie drei Kühe haben wollen.
Sie gehen Mittagessen.
Das Leben ist schön.

Japanisches Unternehmen
Sie besitzen zwei Kühe.
Mittels modernster Gentechnik werden die Tiere auf ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe gezüchtet
und das Zwanzigfache der Milch geben.

Deutsches Unternehmen
Sie besitzen zwei Kühe.
Mittels modernster Gentechnik werden die Tiere "redesigned", so dass sie alle blond sind, eine Menge Bier saufen, Milch von höchster Qualität geben und 160 km/h laufen können.
Leider fordern die Kühe 13 Wochen Urlaub im Jahr.

Italienisches Unternehmen
Sie besitzen zwei Kühe, aber Sie wissen nicht, wo sie sind.
Während Sie sie suchen, sehen Sie eine schöne Frau.
Sie machen Mittagspause.
Das Leben ist schön.

Britisches Unternehmen
Sie haben drei Kühe.
Eine steht in der Küche, die beiden anderen auf der Weide.
Alle drei verhalten sich äußerst merkwürdig.
Im übrigen sind Sie fest davon überzeugt, dass BSE keine Krankheit, sondern eine deutsche Erfindung ist.

Russisches Unternehmen
Sie besitzen zwei Kühe.
Sie zählen jedoch fünf.
Sie trinken noch mehr Wodka.
Sie zählen erneut und kommen nunmehr auf 42 Kühe.
Hoch erfreut zählen Sie gleich noch mal und jetzt sind es zwölf Kühe.
Enttäuscht lassen Sie das Zählen sein und öffnen die nächste Flasche Wodka. Die Mafia kommt vorbei und nimmt Ihnen die Kühe - wie viele es auch immer sein mögen - ab.

Schweizer Unternehmen
Sie verfügen über 5.000 Kühe, von denen Ihnen aber keine einzige gehört.
Sie betreuen die Tiere nur für andere.
Wenn die Kühe Milch geben, erzählen Sie es niemandem.

(Die Quelle habe ich verlegt)

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Sonntag, 17. Februar 2008
Vorspeise
In ihren Augen funkelte ein Verlangen, was dort lange Zeit nicht zu sehen gewesen war. Rasch breitete es sich auch in ihrem Mund aus, und für eine Sekunde fuhr eine schnelle Zunge über die feuchten Lippen. Sie schaffte es nicht ganz, ein leises Stöhnen zu unterdrücken. Ihr Verlangen verwandelte sich in Entschlossenheit, als sie sich ruckartig nach vorne beugte, das Objekt ihrer Begierde mit der rechten Hand fest packte und langsam, aber stetig zu ihrem Mund zog. Es fühlte sich gut an, hatte genau die richtige Größe.
Ihr Gesicht zeichnete nun ein zufriedenes Lächeln, die Augenlider senkten sich in Vorfreunde.
Dann öffnete sie den Mund, holte noch einmal Luft, und biss in die Banane.

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Sonntag, 3. Februar 2008
Viva la Revolution!
Die Sonne geht früh unter, anderes ist man im Winter schließlich nicht gewohnt.
Manch eine der vereinzelten Gestalten, die noch auf dem Bürgersteig unterwegs ist und an den prächtigen Einfamilienhäusern mit den durch hohe Steinmauern oder vergoldete Zäune geschützten Gärten vorbeigeht, mag sich angesichts des warmen Leuchtens aus den Fenstern schon auf einen beschaulichen Abend vor dem Kamin freuen.
Selten fährt ein Auto vorbei, aber wenn, dann nicht zu schnell.
Eines davon, ein silbernes Exemplar mit weichen Linien, glitzernden Felgen und dem Stern am vordere Ende der Motorhaube, hält vor einem der Gittertore, welches links und rechts von einer Steinmauer begrenzt wird. Das Tor öffnet automatisch und kehrt wieder in die Ausgangsposition zurück, nachdem das teure Gefährt seinen Platz unter dem Car-Port aus Backsteinen eingenommen hat. Schwere Schritte durchbrechen die Ruhe des kleinen Ortes am Rande der Stadt, verlieren sich aber schnell in der Ferne.
Ein Hund bellt kurz. Sein Besitzer nötigt ihn sofort, nicht weiter zu stören.
Dann geschieht etwas, was die Aufmerksamkeit der vielen Bewohner dieses beschaulichen Ortes sicher erregt hätte, würden sie hinter ihren hohen Zäunen und Mauern die Straße sehen:
Drei junge Menschen biegen um die Ecke, zwei Jungs, ein Mädchen.
Sie laufen, als wollen sie jedem mitteilen: Schaut her, wir werden die Welt verändern!
Alle drei haben lange Haare. Bei zweien von ihnen sind sie zum Zopf gebunden, das Mädchen trägt sie offen und mit roten Strähnen.
Einer der Jungs nickt beim Gehen rhythmisch mit dem Kopf, da ihm offenbar gefällt, was durch Stöpsel in beide Ohren dringt.
Ihr Weg endet vor dem automatischen Gittertor.
Sofort beginnt das Mädchen mit den beiden Jungs zu tuscheln, wobei der Junge mit den Kopfhörern weiter im Takt der Musik nickt.
Kurz nach der Absprache klettern beide Jungs auch schon über das Gittertor. Währenddessen wendet das Mädchen ihren Kopf von einer Richtung der Straße zu der anderen, nun in deutlicher Hektik.
Hinter dem Gittertor ist davon aber nichts zu spüren.
Kaum vor dem silbernen Auto mit den weichen Linien angekommen, werden zwei Hosen von vier Händen mit Gelassenheit geöffnet und die friedliche Stille unter dem Carport durch ein Geräusch verletzt, welches entsteht, wenn der Lack eines teuren Autos angepinkelt wird.
Die geschmacklose, aber zweifelsohne originelle Art der Entweihung ist kaum vorüber, da klettern beide Jungs schon wieder auf die Straßenseite. Hier nun entdeckt der interessierte Beobachter das erste Mal ein Missgeschick in der Ausführung des Plans:
Gerade, als der Junge mit den Ohrstöpseln auf der Spitze des Gittertores angekommen ist und sich für den Absprung vorbereitet, rutscht ihm der MP3-Player aus der Jackentasche und zerschellt geräuschvoll an den Steinplatten, die sich gut zwei Meter tiefer befinden. Ein kurzes Zögern, wohl der Abwägung des weiteren Handelns geschuldet, dann springt sein ehemaliger Besitzer ungeschickt auf die Straße und flucht.
Die Stimme des Mädchens klingt aufgeregt:
„Los, lasst uns abhauen, unsere Arbeit ist getan.“
Die Zufriedenheit mit der Aktion sieht man ihr deutlich an. Der Junge direkt neben ihr antwortet sofort, ähnlich überzeugt:
„Ja, morgen Abend setzten wir die Revolution fort!“
Doch in der Stimme des musikinteressierten Teilnehmers der Gruppe ist nur Resignation zu hören:
„Vergiss die Revolution.
Fuck, ich brauche erstmal nen neuen IPod…“

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