Samstag, 14. Januar 2012
Best of 2011
Vergangenes Jahr gab es Revolutionen, Rücktritte und Kern-, Euro- sowie Parteischmelzen, kurz: ein unübersichtliches Hick-Hack aus um Aufmerksamkeit kreischenden Nachrichtenmeldungen. Doch nicht an dieser Stelle, nein! Hier war Ruhe angesagt, hier konnte man entschleunigen. Mit insgesamt zwei Beiträgen wurde das quantitative Niveau des Vorjahres gehalten.

Der Felsen

zurück auf los

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Mittwoch, 30. November 2011
Der Felsen
„Ich bin einer, der sich festhält, wenn der Strom reißend wird. Immer mit der Brust gegen den Wasserdruck, jawoll!“ So gibst Du Dich gerne, ich weiß. Aber was war letztens auf der Party, als Benny sich über die „Türkenseuche“ beschwert hat? Du standst nur so da, mit dem Rücken an die Wand gelehnt, und hast woanders hingeguckt. Er meint es doch nicht so – war das Deine innere Entschuldigung? Oder vor zwei Wochen, am S-Bahnhof Heiligensee, wo der Schrank seinem Begleiter eine gelangt hat, dass der ins Taumeln geriet. Du liefst nur so vorbei, mit den Händen in den Taschen und dem iPod im Ohr. Die hat er sich gewiss verdient – war das Deine innere Entschuldigung? Oder gestern. Da fragte Dich Deine Freundin, ob Du „Zweiohrküken“ mit Ihr schauen willst. Hallo? Diese belanglose, stereotypenstrotzende Luftnummer? Du hast nur so genickt und Dich der Hoffnung hingegeben, ihr würdet danach poppen. Wurde nichts draus. Aber Du lagst noch lange wach, während sie Dich im Schlaf in die Seite boxte. Hast Deine Hälfte des Bettes verteidigt, wie ein echter Fels in der Brandung.

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Sonntag, 22. Mai 2011
zurück auf los
irgendwann in der frühen steinzeit
als ich vom weg abgekommen bin
wo wart ihr da

heute seid ihr hier steht an jeder weggabelung
und sagt mir ständig wo ich langgehen soll
die zweite rechts dann links dann immer geradeaus

ihr fühlt euch gut dabei
aber keiner kommt auf die idee
dass ihr mich nur tiefer ins dickicht schickt

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Samstag, 15. Januar 2011
Best of 2010
2010 war ein Jahr mit einigen persönlichen Veränderungen, doch mein literarischer Output verhielt sich im umgekehrt proportionalen Verhältnis zu dem erlebten Wechsel. Ganze ZWEI Texte/Gedichte habe ich geschrieben. Wahnsinn. Da ist es wirklich ein bisschen dreist, ein "Best of" zu machen. Aber was soll's. In einer Welt, die Dreistigkeit belohnt, hat auch ein "Best of" aus zwei Gedichten seine Existenzberechtigung.

Der Weg zum Glück

umsonst

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Freitag, 24. September 2010
Der Weg zum Glück
Hey hallo na wie geht es Dir?
Is‘ alles so weit toll?
      Klar doch, darum lauf‘ ich hier
      und freue mich gerade voll!
Was hasten so gemacht
in all den vielen Tagen?
      Geliebt bei Tag und Nacht,
      geklärt die offnen Fragen!
Schön, dass es Dir gut geht,
Du keine Probleme kennst.
      Ich bin ein Kerl, der immer steht,
      während Du zu oft verpennst!
Eins muss ich jetzt noch fragen,
sei mir da bitte nicht böse.
      Ich werd’s Dir sicher sagen,
      auf dass ich Dich erlöse!
Wie lautet Dein Geheimnis,
kannst Du‘s mir vielleicht schenken?
      Es ist ein komplett kleines:
      Bloß nicht zu viel denken!

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Freitag, 28. Mai 2010
umsonst
 ich komme an, abge
 kämpft und voller Dreck
  getragen von eupho
   rischer Kribbelgkeit
    mache ich die letzt
     en Meter ins Ziel

     ich bin da, keu
    chend und endlich froh
   überhaupt losgege
  laufen zu sein
 viel zu schnell sag
 st DU mir:

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Freitag, 9. April 2010
Best of 2009
Die kreative Müdigkeit, die diese Seite momentan vollkommen lahmlegt, kündigte sich schon 2009 über an. Das musste ich lernen, als ich gerade die Texte für das „Best of 2009“ sichtete. „Kreative Müdigkeit“ sollte aber nicht falsch verstanden werden; sie bezieht sich meiner Meinung nach nur auf die Quantität. Qualitativ stehe ich nach wie vor zu den Kurzgeschichten und Gedichten, die 2009 ihren Weg ins Netz und nun ins „Best of“ gefunden haben.
Mag die momentane Antriebslosigkeit bezüglich des literarischen Schreibens ihre Ursache in beruflicher Auslastung, Munitionsknappheit oder dem Klimawandel haben – sobald wieder ein würdiges Werk entsteht, wird es an dieser Stelle veröffentlicht.


Drei Worte

Schlussverkauf

Nachricht von >Dreamboy1138<

Ich tippe, also bin ich

Kratzfest

Entscheidungen

Opium fürs Volk?

Liebe und Benzin

Berechtigte Empörung

Kulissenabbau

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Samstag, 16. Januar 2010
Demnächst...
... erscheint ein "Best of 2009". Das plant zumindest der Teil von mir, der sich noch aufraffen kann.

Update!

Das "Best of 2009" ist weiterhin in Planung...;)

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Sonntag, 20. Dezember 2009
Wie der Weihnachtsmann Weihnachten feiert
Wieso jedes Jahr wieder, wo er doch im tiefsten Innern keine Lust hatte?
Daniel, sein sechsjähriger Neffe, stand vor ihm und sagte ein Gedicht auf. Der Junge wippte dabei leicht mit dem Oberkörper und machte zwischen den Versen kurze Pausen, um nachzudenken. Wie im letzten Jahr. Und in dem Jahr davor. Neu war, dass Daniels Schwester mittlerweile auch stehen konnte. Sprechen ging noch nicht so gut. Aber in ein, zwei Jahren, da würde sie wahrscheinlich ein eigenes Gedicht vortragen. Neben ihrem Bruder. Scheiße. Langsam bildete sich Schweiß unter dem weißen Bart, welcher an des Onkels Gesicht klebte. Der schwere, rote Mantel, auf dem Weg zum Haus seiner Schwester wie gewohnt ein vortrefflicher Garant für Wärme, wurde im überheizten Wohnzimmer zur tragbaren Sauna. “Daniel, sag doch noch das „Weihnachtswunder“ auf, das kannst Du so schön“. Bitte nicht. „Durch den Flockenfall, klingt süßer Glockenschall…“ Fuck.
Als Daniel sein zweites Gedicht beendet hatte, ging es weiter wie üblich. Alles folgte dem einstudierten Weihnachtsprotokoll. Der Weihnachtsmann lobte, wie brav die Kinder dieses Jahr gewesen waren. Daniel schaute überall hin - nur nicht in die Augen des großen Mannes, der angeblich mit seinem Schlitten zu ihm gekommen war.
Dann gab’s endlich Geschenke. Und während die Kinder auspackten, wurde der Weihnachtsmann von seiner Schwester beiseite genommen. „Schön, dass Du das jedes Jahr wieder machst.“ Ihr Mann ergänzte: „Ja, wirklich klasse.“ Santa Clause nickte nur. Antwort in Gedanken: „Gut, Pflicht erfüllt. Kann ich jetzt also saufen gehen.“
Szenenwechsel zu „Johnny B.‘s Schenke“. Auch die gehörte jedes Jahr dazu. Dieselbe schmutzige Theke, dieselben Hirschbilder, dieselbe rauchgefüllte Luft, dieselben Gesichter.
Wer um diese Zeit hier saß, der hatte keinen besseren Ort. Oder er war zumindest zutiefst davon überzeugt.
Es folgten Bier, Jägermeister, Bier, Wodka, Jägermeister und Bier. „Weihnachssmann, wisso bringssu uhns kne Geschnke?“ Doch der hörte das gar nicht mehr. Das Schicksal hatte es so gewollt, dass der Weihnachtsmann dieses Mal auch ein Präsent bekam. Zumindest für eine Nacht. Am nächsten Morgen dann die Frage: „Willst Du noch bleiben?“ Nein, wollte sie nicht. Darüber solltest Du Dich aber nicht beschweren, Weihnachtsmann. Deine Aufgabe ist das Geschenkeverteilen, vergiss das nicht.

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Dienstag, 6. Oktober 2009
Liebe und Benzin
Der Geruch von Benzin, der hier in allen Räumen hängt, wird von mir mittlerweile genauso wenig wahrgenommen wie früher das Uhr-Ticken in meinem Kinderzimmer. Jedem Neuankömmling ging es schnell auf die Nerven, aber ich selber hörte es nur, wenn ich wollte.
Genauso ist es mit der Tankstelle: Wer die betritt, kann sich ihrem Geruch nicht entziehen. Ich hingegen wäre froh, würde ich das Benzin wieder riechen. Das bedeutete nämlich, dass ich einen Lebenswandel vollzogen hätte. Dass sich die schwache Stimme in mir durchgesetzt hätte, die ab und an sagt: „Geh weg von hier“. Stattdessen starre ich nach draußen und sehe entweder eine Wiese, deren Grün mich langweilt, oder ich beobachte die wenigen Kunden bei ihren immer-gleichen Verrichtungen. Dabei versuche ich mir vorzustellen, wo die Kunden herkommen und wo sie hinwollen, doch das gelingt mir nicht. Sie bleiben stets nur Leute, die Benzin kaufen. Einmal fragte ich einen Mann, einen Mann im mittleren Alter von harmlosem Äußeren, was er vorhabe. Der antwortete, das gehe mich nichts an. Seitdem warte ich auf Emmanuelle. Sie hat lange, offene, blonde Haare. Ihre Augen spiegeln Entschlossenheit, die selten einen Hauch von Verletzlichkeit zulässt. Außerdem spricht Emmanuelle mit französischem Akzent, weil sie aus Paris kommt. Sie ist von dort abgehauen, hat ihren immer fauler und selbstbezogener werdenden Mann verlassen und holt jetzt das Abenteuer nach, um das er sie betrogen hat. Eine Pistole biegt Emmanuelles Schicksal zurecht und an diese Pistole klammert sie sich, als sie meine Tankstelle betritt. „Gib mir all das Geld, wenn Du überleben willst!“ Ich erfülle ihren Wunsch, will jedoch mehr. „Erschieß' mich, oder nimm mich mit. Lass mich bloß nicht hier. Ich folge Dir, ich raube mit Dir, und ich helfe Dir töten, sollte das nötig sein. Du bestimmst die Regeln. Wir fahren durch's Land, wir überfallen, wen wir wollen und wir wohnen und lieben uns da, wo es uns passt. Was sagst Du, Emmanuelle, was sagst Du?“

Inspiriert vom Lied „Liebe und Benzin“, einem neuen Werk des Grafen.

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