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Freitag, 8. Juni 2007
Auf nach Panama - Teil 1
tobi-wan, 17:28h
Heute ist der Tag, auf den ich 35 Jahre lang gewartet habe.
Ich weiß, diesen Satz hört man eigentlich zu häufig.
Als würde man wirklich bewusst so lange Zeit auf nur einen Tag warten…
Aber ich sage euch, bei mir stimmt es, innerlich zumindest.
Ich wusste immer, dass mit der Welt, in der wir alle leben, eine Menge nicht stimmt.
Jetzt werdet ihr sagen: Das weiß doch jeder, der auch nur einmal in der Woche die Tagesschau guckt. Richtig, aber das ist was anderes. Ich habe nämlich immer gespürt, wie unbehaglich sich der Platz anfühlt, den man mir in dieser Welt zugewiesen hat (wer auch immer dafür verantwortlich ist). 35 Jahre lang tat ich nichts, was dem Wort Widerstand auch nur im Entferntesten nahe käme.
Habe mich gefügt, als Sklave meines Schicksals (ja, vielleicht ist diese Formulierung übertrieben, na und?).
Aber heute wurde mir bewusst, dass damit Schluss sein muss.
Nicht beim Aufwachen, nein, da bin ich doch wirklich genug damit beschäftigt, gegen den unendlichen Sog der Müdigkeit anzukämpfen, der mich ans Bett fesselt (ich hab´s heute echt drauf mit den Metaphern). Wäre das hier der Anfang eines Kapitels der Memoiren irgendeines großen Politikers, dann wäre ihm die weltverbessernde natürlich gleich beim Aufwachen gekommen.
Nein, ich bin ehrlich, meine Idee kam erst ein paar Minuten nach dem Aufstehen, beim Pissen.
Ich überlegte mir gerade, vielleicht einen Bus früher zu nehmen, um auf jeden Fall pünktlich im Büro anzukommen.
Damit ich meinem Chef nicht erneut mit unterwürfigem Lächeln etwas von dem dichten Verkehr als tiefere Ursache meiner Unpünktlichkeit erzählen musste. Doch dann spulte ich meine billige Ausrede im Geiste zurück und ersetzte sie durch eine Version, die mich in spontanes und ehrliches Gelächter ausbrechen lies (war das erste Mal, dass ich auf dem Klo gelacht habe).
Ich stellte mir vor, wie ich das Büro meines Chefs betrete, mit sportlichem Schritt und in legerer Kleidung (natürlich ohne anzuklopfen), mich vor seinen Schreibtisch stelle und ihm sage, dass ich eine enorm wichtige Frage an ihn hätte, die keinen Aufschub erlaube. Er glotzt dann weiter auf den Monitor seines Computers und signalisiert wahlweise durch ein unverständliches Brummen oder eine von Laien nicht erkennbare Kopfbewegung, dass er mir in unendlicher Güte drei Minuten seiner wertvollen Zeit zu opfern bereit ist. Darauf sage ich ihm, dass ich nur eine bräuchte, wenn er den Anstand hätte, während dieser einfach mal seine hässliche Fresse zu halten. Und da ist er, der Schockmoment, in dem er nichts erwidern kann, sondern verzweifelt zu ergründen versucht, ob meine Worte wirklich so von mir gesagt wurden oder ob sein fortgeschrittenes Alter den ersten Tribut fordert.
Ich nutze diesen Moment aus, so gut es nur geht.
Zunächst setze ich das übertriebenste Gute-Laune-Grinsen auf, welches mir gelingen kann. Es ist gar nicht so leicht, dieses Grinsen während meines folgenden ein-minütigen Vortrages in seiner anfänglichen Intensität zu halten, doch ich gebe mir alle Mühe.
Was ich meinem Chef erzähle?
Na alles das, was ich ihm an jedem Tag der letzten fünf Jahre gerne gesagt hätte!
Dass ein kleiner Schwanz noch lange keine Legitimation dafür gibt, die sexuelle Frustration tagtäglich an seinen Angestellten auszulassen, zum Beispiel. Schließen tue ich meine kleine Ansprache (während der er tatsächlich brav die Klappe gehalten hat, auch wenn die immer dunkler werdende Röte in seinem Gesicht wirklich Anlass zur Sorge gab) übrigens mit den Worten:
„Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche noch einen wunderschönen Tag…...Sie Arsch!“
Ach, was musste ich bei dieser Vorstellung lachen.
Noch viel mehr jedoch, als ich sie eine Stunde später in die Tat umgesetzt habe.
So verließ ich das Büro meines Chefs (jetzt Ex-Chefs) mit einem Gefühl unendlicher Befreiung, welches man wohl nur in ähnlicher Form erlebt, wenn man nach Stunden des Wartens endlich Pinkeln gehen darf.
Ok, diese Zeilen sollen für heute genügen. In ein paar Tagen erzähle ich dann, was unmittelbar nach den Geschehnissen im Büro passierte.
Dann erfahrt ihr auch, warum dieser Bericht
„Auf nach Panama“ heißt.
Eines kann ich an dieser Stelle schon verraten:
Hinter mir liegen sehr merkwürdige Tage.
Aber ich habe so das Gefühl, dass ich sie bitter nötig hatte.
Ich weiß, diesen Satz hört man eigentlich zu häufig.
Als würde man wirklich bewusst so lange Zeit auf nur einen Tag warten…
Aber ich sage euch, bei mir stimmt es, innerlich zumindest.
Ich wusste immer, dass mit der Welt, in der wir alle leben, eine Menge nicht stimmt.
Jetzt werdet ihr sagen: Das weiß doch jeder, der auch nur einmal in der Woche die Tagesschau guckt. Richtig, aber das ist was anderes. Ich habe nämlich immer gespürt, wie unbehaglich sich der Platz anfühlt, den man mir in dieser Welt zugewiesen hat (wer auch immer dafür verantwortlich ist). 35 Jahre lang tat ich nichts, was dem Wort Widerstand auch nur im Entferntesten nahe käme.
Habe mich gefügt, als Sklave meines Schicksals (ja, vielleicht ist diese Formulierung übertrieben, na und?).
Aber heute wurde mir bewusst, dass damit Schluss sein muss.
Nicht beim Aufwachen, nein, da bin ich doch wirklich genug damit beschäftigt, gegen den unendlichen Sog der Müdigkeit anzukämpfen, der mich ans Bett fesselt (ich hab´s heute echt drauf mit den Metaphern). Wäre das hier der Anfang eines Kapitels der Memoiren irgendeines großen Politikers, dann wäre ihm die weltverbessernde natürlich gleich beim Aufwachen gekommen.
Nein, ich bin ehrlich, meine Idee kam erst ein paar Minuten nach dem Aufstehen, beim Pissen.
Ich überlegte mir gerade, vielleicht einen Bus früher zu nehmen, um auf jeden Fall pünktlich im Büro anzukommen.
Damit ich meinem Chef nicht erneut mit unterwürfigem Lächeln etwas von dem dichten Verkehr als tiefere Ursache meiner Unpünktlichkeit erzählen musste. Doch dann spulte ich meine billige Ausrede im Geiste zurück und ersetzte sie durch eine Version, die mich in spontanes und ehrliches Gelächter ausbrechen lies (war das erste Mal, dass ich auf dem Klo gelacht habe).
Ich stellte mir vor, wie ich das Büro meines Chefs betrete, mit sportlichem Schritt und in legerer Kleidung (natürlich ohne anzuklopfen), mich vor seinen Schreibtisch stelle und ihm sage, dass ich eine enorm wichtige Frage an ihn hätte, die keinen Aufschub erlaube. Er glotzt dann weiter auf den Monitor seines Computers und signalisiert wahlweise durch ein unverständliches Brummen oder eine von Laien nicht erkennbare Kopfbewegung, dass er mir in unendlicher Güte drei Minuten seiner wertvollen Zeit zu opfern bereit ist. Darauf sage ich ihm, dass ich nur eine bräuchte, wenn er den Anstand hätte, während dieser einfach mal seine hässliche Fresse zu halten. Und da ist er, der Schockmoment, in dem er nichts erwidern kann, sondern verzweifelt zu ergründen versucht, ob meine Worte wirklich so von mir gesagt wurden oder ob sein fortgeschrittenes Alter den ersten Tribut fordert.
Ich nutze diesen Moment aus, so gut es nur geht.
Zunächst setze ich das übertriebenste Gute-Laune-Grinsen auf, welches mir gelingen kann. Es ist gar nicht so leicht, dieses Grinsen während meines folgenden ein-minütigen Vortrages in seiner anfänglichen Intensität zu halten, doch ich gebe mir alle Mühe.
Was ich meinem Chef erzähle?
Na alles das, was ich ihm an jedem Tag der letzten fünf Jahre gerne gesagt hätte!
Dass ein kleiner Schwanz noch lange keine Legitimation dafür gibt, die sexuelle Frustration tagtäglich an seinen Angestellten auszulassen, zum Beispiel. Schließen tue ich meine kleine Ansprache (während der er tatsächlich brav die Klappe gehalten hat, auch wenn die immer dunkler werdende Röte in seinem Gesicht wirklich Anlass zur Sorge gab) übrigens mit den Worten:
„Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche noch einen wunderschönen Tag…...Sie Arsch!“
Ach, was musste ich bei dieser Vorstellung lachen.
Noch viel mehr jedoch, als ich sie eine Stunde später in die Tat umgesetzt habe.
So verließ ich das Büro meines Chefs (jetzt Ex-Chefs) mit einem Gefühl unendlicher Befreiung, welches man wohl nur in ähnlicher Form erlebt, wenn man nach Stunden des Wartens endlich Pinkeln gehen darf.
Ok, diese Zeilen sollen für heute genügen. In ein paar Tagen erzähle ich dann, was unmittelbar nach den Geschehnissen im Büro passierte.
Dann erfahrt ihr auch, warum dieser Bericht
„Auf nach Panama“ heißt.
Eines kann ich an dieser Stelle schon verraten:
Hinter mir liegen sehr merkwürdige Tage.
Aber ich habe so das Gefühl, dass ich sie bitter nötig hatte.
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Samstag, 2. Juni 2007
Das Leben ist schön...
tobi-wan, 01:13h
…diesen Satz meiner Mutter werde ich im Gedächtnis behalten, und zwar für immer.
Sie hat ihn mir nicht nur gesagt, jeden Abend vor dem Schlafengehen (ich muss so um die sechs Jahre alt gewesen sein), sie hat ihn gelebt.
Es fing schon damit an, dass ich streng genommen ein Unfall war. Ihr Freund riet ihr damals zur Abtreibung, wobei „raten“ noch sehr nett ausgedrückt ist. Doch meine Mutter, gerade 22 Jahre alt, ignorierte die blauen Flecken und das verzweifelt brutale Drängen ihres Freundes und freute sich auf den Tag, an dem ich auf die Welt kommen sollte.
Das Leben ist schön.
Ich bin sicher, so klangen die ersten Worte, die ich als Baby hörte. Sie muss ehrlich glücklich gewesen sein, als dieser kleine unbeholfene Mensch endlich in ihren Armen lag und sie die Neugierde in seinen winzigen Augen sehen durfte. Da wusste sie, wie sehr es sich gelohnt hatte, mich zu behalten, und vor allem, dass sie sich stark genug für die Verantwortung fühlte, die vor ihr lag.
Etwas, was von meinem Vater nicht behauptet werden kann.
Aber das erste, was meine Mutter tat, nachdem er uns beide aus der Wohnung geschmissen hatte, war, mit mir an den See zu fahren.
Habt ihr Euch schon mal einfach nur ans Ufer gesetzt und zugehört, wie das Geräusch des Wassers klingt oder die Stimmen der Vögel?
Macht man so etwas heute überhaupt noch?
Wie auch immer, meine ersten Kindheitsjahre verliefen glücklich, weil meine Mutter dafür sorgte. Natürlich fiel es ihr nicht leicht, sich um mich zu kümmern, in dieser kleinen neuen Wohnung und wo ihr doch nur noch wenige Freunde geblieben waren, die sie in ihrer neuen Lebenssituation unterstützen wollten.
Es muss Momente gegeben haben, in der die Verzweiflung Überhand gewann, die Verantwortung zur drückenden Last wurde und sich ein Gefühl der Einsamkeit über die ganze Wohnung zu legen drohte.
Doch dann blieb sie nicht sitzen, nein, sie stand auf und lief zu mir hinüber, in mein Zimmer.
Sie sah mich an und wusste, warum sie diesen einen Satz so oft wiederholte:
Das Leben ist schön.
Ich weiß nicht, warum das Leben sich nicht mehr anstrengte, um meiner Mutter zu zeigen, wie Recht sie hatte.
Was es mit dem Menschen gemacht haben muss, der sie vor eine U-Bahn geschubst hat, als ich zehn Jahre alt und sie auf dem Weg zu ihrer ersten richtigen Ausbildung war.
Wie sich der U-Bahn- Fahrer dabei fühlte oder was er für ein Leben führte.
Wie oft ich danach weinen musste und daran dachte, dass meine Mutter mit ihrer Einstellung eine Lügnerin ist.
Aber jetzt weiß ich, wie Recht sie trotz allem hatte.
Es ist eine besondere Kunst, die Bedeutung des folgenden Satzes zu verstehen:
Das Leben ist schön.
Sie hat ihn mir nicht nur gesagt, jeden Abend vor dem Schlafengehen (ich muss so um die sechs Jahre alt gewesen sein), sie hat ihn gelebt.
Es fing schon damit an, dass ich streng genommen ein Unfall war. Ihr Freund riet ihr damals zur Abtreibung, wobei „raten“ noch sehr nett ausgedrückt ist. Doch meine Mutter, gerade 22 Jahre alt, ignorierte die blauen Flecken und das verzweifelt brutale Drängen ihres Freundes und freute sich auf den Tag, an dem ich auf die Welt kommen sollte.
Das Leben ist schön.
Ich bin sicher, so klangen die ersten Worte, die ich als Baby hörte. Sie muss ehrlich glücklich gewesen sein, als dieser kleine unbeholfene Mensch endlich in ihren Armen lag und sie die Neugierde in seinen winzigen Augen sehen durfte. Da wusste sie, wie sehr es sich gelohnt hatte, mich zu behalten, und vor allem, dass sie sich stark genug für die Verantwortung fühlte, die vor ihr lag.
Etwas, was von meinem Vater nicht behauptet werden kann.
Aber das erste, was meine Mutter tat, nachdem er uns beide aus der Wohnung geschmissen hatte, war, mit mir an den See zu fahren.
Habt ihr Euch schon mal einfach nur ans Ufer gesetzt und zugehört, wie das Geräusch des Wassers klingt oder die Stimmen der Vögel?
Macht man so etwas heute überhaupt noch?
Wie auch immer, meine ersten Kindheitsjahre verliefen glücklich, weil meine Mutter dafür sorgte. Natürlich fiel es ihr nicht leicht, sich um mich zu kümmern, in dieser kleinen neuen Wohnung und wo ihr doch nur noch wenige Freunde geblieben waren, die sie in ihrer neuen Lebenssituation unterstützen wollten.
Es muss Momente gegeben haben, in der die Verzweiflung Überhand gewann, die Verantwortung zur drückenden Last wurde und sich ein Gefühl der Einsamkeit über die ganze Wohnung zu legen drohte.
Doch dann blieb sie nicht sitzen, nein, sie stand auf und lief zu mir hinüber, in mein Zimmer.
Sie sah mich an und wusste, warum sie diesen einen Satz so oft wiederholte:
Das Leben ist schön.
Ich weiß nicht, warum das Leben sich nicht mehr anstrengte, um meiner Mutter zu zeigen, wie Recht sie hatte.
Was es mit dem Menschen gemacht haben muss, der sie vor eine U-Bahn geschubst hat, als ich zehn Jahre alt und sie auf dem Weg zu ihrer ersten richtigen Ausbildung war.
Wie sich der U-Bahn- Fahrer dabei fühlte oder was er für ein Leben führte.
Wie oft ich danach weinen musste und daran dachte, dass meine Mutter mit ihrer Einstellung eine Lügnerin ist.
Aber jetzt weiß ich, wie Recht sie trotz allem hatte.
Es ist eine besondere Kunst, die Bedeutung des folgenden Satzes zu verstehen:
Das Leben ist schön.
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Samstag, 26. Mai 2007
Ein Geständnis
tobi-wan, 16:04h
Hallo liebe Welt,
ich denke, die Zeit ist reif für ein kleines Geständnis.
Ja, ich bekenne mich schuldig. Nein, niemand anderes hat Schuld, sie liegt bei mir, bei mir alleine.
Was ich denn Schlimmes getan habe?
Nun, ob es wirklich als schlimm zu bezeichnen ist, darüber mögen andere urteilen, ich stelle nur die Fakten dar:
Ich bin ein Verräter.
An wem ich Verrat begangen habe?
Die Person, die von mir verraten wurde, steht mir sehr nahe, ich kenne sie gut (zumindest glaube ich das).
Ich sehe sie auf Fotos, dort lächelt sie, oder wenn ich in einen Spiegel blicke, aber dann bleibt ihre Miene meist starr.
Eines Morgens bin ich dann aufgewacht und war von meiner Entscheidung überzeugt.
Klar, Veränderungen fallen oft deshalb schwer, weil man Gewohntes aufgeben muss. Nach etwa einem Monat jedoch hatte ich den härtesten Teil hinter mir. Endlich wurde ich angelächelt, wann immer ich in einen Spiegel sah.
Ich denke, dass ich meinen Verrat von mir aus gar nicht bemerkt hätte. Hierzu bedurfte es meine besten Freunde (Damit meine ich die, welche ich schon vor besagtem Morgen als solche bezeichnete).
Nicht falsch verstehen, die sahen mich gerne lächeln.
Aber sie wollten, dass ich es wieder so tat wie früher, wenn mir wirklich danach war.
ich denke, die Zeit ist reif für ein kleines Geständnis.
Ja, ich bekenne mich schuldig. Nein, niemand anderes hat Schuld, sie liegt bei mir, bei mir alleine.
Was ich denn Schlimmes getan habe?
Nun, ob es wirklich als schlimm zu bezeichnen ist, darüber mögen andere urteilen, ich stelle nur die Fakten dar:
Ich bin ein Verräter.
An wem ich Verrat begangen habe?
Die Person, die von mir verraten wurde, steht mir sehr nahe, ich kenne sie gut (zumindest glaube ich das).
Ich sehe sie auf Fotos, dort lächelt sie, oder wenn ich in einen Spiegel blicke, aber dann bleibt ihre Miene meist starr.
Eines Morgens bin ich dann aufgewacht und war von meiner Entscheidung überzeugt.
Klar, Veränderungen fallen oft deshalb schwer, weil man Gewohntes aufgeben muss. Nach etwa einem Monat jedoch hatte ich den härtesten Teil hinter mir. Endlich wurde ich angelächelt, wann immer ich in einen Spiegel sah.
Ich denke, dass ich meinen Verrat von mir aus gar nicht bemerkt hätte. Hierzu bedurfte es meine besten Freunde (Damit meine ich die, welche ich schon vor besagtem Morgen als solche bezeichnete).
Nicht falsch verstehen, die sahen mich gerne lächeln.
Aber sie wollten, dass ich es wieder so tat wie früher, wenn mir wirklich danach war.
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Freitag, 18. Mai 2007
Paul
tobi-wan, 20:06h
Ich erzähle Euch jetzt eine kleine Geschichte, doch seid gewarnt, denn schön ist sie nicht. Bitte erwartet keinen Spannungsbogen oder eine Überraschung am Ende.
Der Protagonist dieser Geschichte, nennen wir ihn Paul, wird sich zum Schluss umbringen. Klar, dieser Umstand schockiert an dieser Stelle keinen, denn ihr wisst von Paul bisher nicht mehr als seinen Namen.
Aber was macht diesen Paul nun so besonders, dass ich von ihm erzählen möchte?
Würde man diese Frage einem seiner Freunde stellen, entstünde mit großer Wahrscheinlichkeit eine nachdenkliche Stille, an deren Ende Aussagen wie „Paul ist ein netter Kerl“
oder „Paul ist ein guter Kumpel“ fallen würden.
Aha. Wisst ihr jetzt mehr von Paul? Eher nicht.
Gut, dann versuche ich es ein bisschen ausführlicher:
Paul hat meistens gelächelt. Wirklich gelacht selten, aber mit seinem leicht zurückhaltenden Lächeln war er als Gesprächspartner sehr angenehm.
Er war nie taktlos, aufmüpfig oder altklug, und hat andere immer ausreden lassen.
Wenn im Freundeskreis Unternehmungen anstanden, war Paul fast immer und ohne Diskussion dabei. Anschließend half er oft dem einen oder anderen Kumpel, der in der Kneipe die Bedienung ein paar Mal zu oft bemüht hatte, beim Nachhausekommen. Er selbst fand den Weg immer alleine.
Doch soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass Paul langweilig war. Er gehörte vielleicht nicht zu den ersten, die in Unterwäsche über den Schulhof der katholischen Grundschule gerannt sind, doch stand er dabei und hat die Kumpels mit der Kamera gefilmt, um die Erinnerung zu konservieren.
Sein Problem bestand eher darin, dass er in der Menschenmenge das Profil verlor, man konnte ihn dann leicht übersehen. Er selbst nahm irgendwann an, er sei unsichtbar. Seine Erscheinung wurde vielleicht wahrgenommen, hinterließ beim Betrachter aber keine bleibenden Einträge im Gedächtnis oder auch nur die schwächste Spur eines Gefühls.
Auf seiner Geburtstagsparty war es fast so, als sei er gar nicht richtig anwesend.
Zwei Wochen später trafen die Freunde dann wieder zusammen, um Paul die letzte Ehre zu erweisen. Er hatte sich kurz nach besagter Party aus dem Fenster seiner Wohnung gestürzt.
Dabei lief wieder die Kamera.
Damit seine Freunde ein letztes Mal sehen konnten, wie er lächelte.
Ich habe euch ja vorher gesagt, dass Pauls Geschichte kein gutes Ende nimmt.
Bleibt von meiner Seite nur noch eines festzuhalten:
Ganz zum Schluss hat Paul doch einen Platz im Gedächtnis seiner Freunde gefunden.
Aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob er sich darüber freuen würde.
Der Protagonist dieser Geschichte, nennen wir ihn Paul, wird sich zum Schluss umbringen. Klar, dieser Umstand schockiert an dieser Stelle keinen, denn ihr wisst von Paul bisher nicht mehr als seinen Namen.
Aber was macht diesen Paul nun so besonders, dass ich von ihm erzählen möchte?
Würde man diese Frage einem seiner Freunde stellen, entstünde mit großer Wahrscheinlichkeit eine nachdenkliche Stille, an deren Ende Aussagen wie „Paul ist ein netter Kerl“
oder „Paul ist ein guter Kumpel“ fallen würden.
Aha. Wisst ihr jetzt mehr von Paul? Eher nicht.
Gut, dann versuche ich es ein bisschen ausführlicher:
Paul hat meistens gelächelt. Wirklich gelacht selten, aber mit seinem leicht zurückhaltenden Lächeln war er als Gesprächspartner sehr angenehm.
Er war nie taktlos, aufmüpfig oder altklug, und hat andere immer ausreden lassen.
Wenn im Freundeskreis Unternehmungen anstanden, war Paul fast immer und ohne Diskussion dabei. Anschließend half er oft dem einen oder anderen Kumpel, der in der Kneipe die Bedienung ein paar Mal zu oft bemüht hatte, beim Nachhausekommen. Er selbst fand den Weg immer alleine.
Doch soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass Paul langweilig war. Er gehörte vielleicht nicht zu den ersten, die in Unterwäsche über den Schulhof der katholischen Grundschule gerannt sind, doch stand er dabei und hat die Kumpels mit der Kamera gefilmt, um die Erinnerung zu konservieren.
Sein Problem bestand eher darin, dass er in der Menschenmenge das Profil verlor, man konnte ihn dann leicht übersehen. Er selbst nahm irgendwann an, er sei unsichtbar. Seine Erscheinung wurde vielleicht wahrgenommen, hinterließ beim Betrachter aber keine bleibenden Einträge im Gedächtnis oder auch nur die schwächste Spur eines Gefühls.
Auf seiner Geburtstagsparty war es fast so, als sei er gar nicht richtig anwesend.
Zwei Wochen später trafen die Freunde dann wieder zusammen, um Paul die letzte Ehre zu erweisen. Er hatte sich kurz nach besagter Party aus dem Fenster seiner Wohnung gestürzt.
Dabei lief wieder die Kamera.
Damit seine Freunde ein letztes Mal sehen konnten, wie er lächelte.
Ich habe euch ja vorher gesagt, dass Pauls Geschichte kein gutes Ende nimmt.
Bleibt von meiner Seite nur noch eines festzuhalten:
Ganz zum Schluss hat Paul doch einen Platz im Gedächtnis seiner Freunde gefunden.
Aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob er sich darüber freuen würde.
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Samstag, 12. Mai 2007
Zuhause
tobi-wan, 03:46h
Dunkel lag sie vor ihm, die Straße, mit Bäumen auf beiden Seiten.
Die Äste und Blätter zitterten im Wind, als ob sie dessen Willen gehorchten. Obwohl er unter einem Vordach stand und sich mit dem Rücken an die kalte Steinwand presste, wurde er nass, denn der Wind schickte den Regen in ungleichmäßigen Abständen zu ihm hinüber.
Kein Mensch war mehr auf der Straße, und es wunderte ihn nicht.
Für einen Moment dachte er daran, zurückzugehen, und wie die anderen in einem Zimmer abzuwarten, bis der Sturm seine Kraft verlieren würde.
Aber dann könnte er heute nicht mehr da ankommen, wo er schon so lange hinwollte.
Könnte nicht das hölzerne Gartentor beiseite schieben, und sich dabei wieder vornehmen, es endlich neu zu streichen.
Könnte nicht an der Hecke vorbeigehen, die ihn jedes Mal daran erinnerte, wie schön es sein kann, der Natur keine Grenzen zu setzen.
Und er könnte auch nicht in das Gesicht der Person blicken, für die sich der Weg durch Regen und Sturm lohnte.
So trat er auf die Straße, wurde sofort nass und fror entsetzlich, doch anhalten wollte er nicht, denn seine Füße liefen von alleine.
Die Äste und Blätter zitterten im Wind, als ob sie dessen Willen gehorchten. Obwohl er unter einem Vordach stand und sich mit dem Rücken an die kalte Steinwand presste, wurde er nass, denn der Wind schickte den Regen in ungleichmäßigen Abständen zu ihm hinüber.
Kein Mensch war mehr auf der Straße, und es wunderte ihn nicht.
Für einen Moment dachte er daran, zurückzugehen, und wie die anderen in einem Zimmer abzuwarten, bis der Sturm seine Kraft verlieren würde.
Aber dann könnte er heute nicht mehr da ankommen, wo er schon so lange hinwollte.
Könnte nicht das hölzerne Gartentor beiseite schieben, und sich dabei wieder vornehmen, es endlich neu zu streichen.
Könnte nicht an der Hecke vorbeigehen, die ihn jedes Mal daran erinnerte, wie schön es sein kann, der Natur keine Grenzen zu setzen.
Und er könnte auch nicht in das Gesicht der Person blicken, für die sich der Weg durch Regen und Sturm lohnte.
So trat er auf die Straße, wurde sofort nass und fror entsetzlich, doch anhalten wollte er nicht, denn seine Füße liefen von alleine.
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Freitag, 4. Mai 2007
Nur ein Traum
tobi-wan, 20:48h
Sie steht am Ufer des Sees, barfuß, mitten in der Nacht.
Die Oberfläche des Wassers spiegelt das Mondlicht, während kleine Wellen um ihre Füße tanzen.
Das Wasser fühlt sich nicht kalt an, sie spürt es kaum.
Selbst der Wind vermag es nicht, sie frieren zu lassen.
Vom nahen Wald hört sie ein hektisches Rascheln, aber es kann ihr keine Angst machen.
Erst als sie ihren Blick senkt und das Wasser sich weigert, ihr Bild zu reflektieren, wacht sie auf.
Sie dreht sich auf die andere Seite und hofft, dass der See ihr beim nächsten Besuch zeigen wird, was sie sehen will.
Die Oberfläche des Wassers spiegelt das Mondlicht, während kleine Wellen um ihre Füße tanzen.
Das Wasser fühlt sich nicht kalt an, sie spürt es kaum.
Selbst der Wind vermag es nicht, sie frieren zu lassen.
Vom nahen Wald hört sie ein hektisches Rascheln, aber es kann ihr keine Angst machen.
Erst als sie ihren Blick senkt und das Wasser sich weigert, ihr Bild zu reflektieren, wacht sie auf.
Sie dreht sich auf die andere Seite und hofft, dass der See ihr beim nächsten Besuch zeigen wird, was sie sehen will.
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Samstag, 28. April 2007
Fickt den Staat - Ein politischer Aufruf
tobi-wan, 13:30h
In den Medien wird eine Propaganda verbreitet, der nach die Deutschen ihr politisches Interesse verlieren würden.
Hierzu kann ich nur feststellen: Was für ein Schwachsinn!
Wären die offensichtlich staatlich beeinflussten Medien dazu bereit, ihren Blick auf unsere Szene zu richten, dann würden sie erkennen, welche unglaubliche politische Kraft sich bei uns versammelt.
Am ersten Mai ist es wieder an der Zeit, dass diese politische Kraft für ihre Ideale auf die Straße geht!
Ja, die Revolution findet nun schon zum 20. Mal statt, ohne, dass sich bisher etwas geändert hat, aber davon lassen wir uns nicht unterkriegen!
Nieder mit den G8!
Tod dem Kapitalismus!
Und vor allem: Zur Hölle mit diesem deutschen Polizei-Staat, der unschuldige Bürger wie uns Tag für Tag mit repressiven Maßnahmen verfolgt und demütigt.
Er trägt die wahre Schuld daran, dass viele von uns keine Arbeit mehr haben!
Doch lassen wir uns nicht mit heuchlerischen staatlichen Almosen wie Sozialhilfe und Arbeitslosengeld mundtot machen!
Nein, am ersten Mai zeigen wir diesem Staat erneut, was wir von ihm halten!
In diesem Sinne:
Lasst uns die Straßen besetzen!
Lasst alle feindlichen kapitalistischen Erzeugnisse brennen!
Gebt den Bullen die Straße Stein für Stein zurück, sie provozieren uns dazu, es ist ihre Schuld!
Und verdammt, denkt um Himmels Willen daran, genug Bier mitzubringen!
Soll ja auch ein bisschen Spaß machen, unsere Revolution…
Hierzu kann ich nur feststellen: Was für ein Schwachsinn!
Wären die offensichtlich staatlich beeinflussten Medien dazu bereit, ihren Blick auf unsere Szene zu richten, dann würden sie erkennen, welche unglaubliche politische Kraft sich bei uns versammelt.
Am ersten Mai ist es wieder an der Zeit, dass diese politische Kraft für ihre Ideale auf die Straße geht!
Ja, die Revolution findet nun schon zum 20. Mal statt, ohne, dass sich bisher etwas geändert hat, aber davon lassen wir uns nicht unterkriegen!
Nieder mit den G8!
Tod dem Kapitalismus!
Und vor allem: Zur Hölle mit diesem deutschen Polizei-Staat, der unschuldige Bürger wie uns Tag für Tag mit repressiven Maßnahmen verfolgt und demütigt.
Er trägt die wahre Schuld daran, dass viele von uns keine Arbeit mehr haben!
Doch lassen wir uns nicht mit heuchlerischen staatlichen Almosen wie Sozialhilfe und Arbeitslosengeld mundtot machen!
Nein, am ersten Mai zeigen wir diesem Staat erneut, was wir von ihm halten!
In diesem Sinne:
Lasst uns die Straßen besetzen!
Lasst alle feindlichen kapitalistischen Erzeugnisse brennen!
Gebt den Bullen die Straße Stein für Stein zurück, sie provozieren uns dazu, es ist ihre Schuld!
Und verdammt, denkt um Himmels Willen daran, genug Bier mitzubringen!
Soll ja auch ein bisschen Spaß machen, unsere Revolution…
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Samstag, 21. April 2007
Vergiftet
tobi-wan, 15:08h
Er war sich nicht mehr ganz sicher, denn die letzten Jahre verschwommen in seinem Kopf, doch es musste schon einige Zeit her sein, dass er vergiftet wurde.
Sie hatten ihm weiß machen wollen, er käme darüber hinweg.
„Klar, es braucht seine Zeit, doch Du wirst sehen, dass Du es schaffst.“
Ja, es war lieb gemeint, und er hätte einem Freund nichts anderes gesagt als das.
Aber helfen konnte es ihm nicht.
Er spürte nun, wie das Gift langsam auf seinen ganzen Körper übergriff, mehr und immer mehr. Gleichzeitig schwanden seine Kräfte.
Sein Kampf war tapfer, doch kam er ihm immer vergeblicher vor.
Gut für ihn, dass das Gift von innen wirkte, denn so sah man es ihm nicht an.
Kämpfen musste er jeden Tag, und immer alleine. Wollte er das so? Manchmal ja, dann ging es darum, es sich selbst zu beweisen.
Aber in seiner letzten Nacht, als das Gift seinen ganzen Körper zerfressen hatte, da wünschte er sich jemanden an seine Seite, der ihm bei seinem Kampf helfen konnte.
Sie hatten ihm weiß machen wollen, er käme darüber hinweg.
„Klar, es braucht seine Zeit, doch Du wirst sehen, dass Du es schaffst.“
Ja, es war lieb gemeint, und er hätte einem Freund nichts anderes gesagt als das.
Aber helfen konnte es ihm nicht.
Er spürte nun, wie das Gift langsam auf seinen ganzen Körper übergriff, mehr und immer mehr. Gleichzeitig schwanden seine Kräfte.
Sein Kampf war tapfer, doch kam er ihm immer vergeblicher vor.
Gut für ihn, dass das Gift von innen wirkte, denn so sah man es ihm nicht an.
Kämpfen musste er jeden Tag, und immer alleine. Wollte er das so? Manchmal ja, dann ging es darum, es sich selbst zu beweisen.
Aber in seiner letzten Nacht, als das Gift seinen ganzen Körper zerfressen hatte, da wünschte er sich jemanden an seine Seite, der ihm bei seinem Kampf helfen konnte.
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Mittwoch, 11. April 2007
Das Geräusch des Regens
tobi-wan, 17:47h
Draußen klopft der Regen an Deine Fensterscheibe, drinnen sitzt Du am Schreibtisch.
Du hast zu tun, doch der einzige Grund, warum Du Deiner Arbeit nachgehst, ist die Ablenkung. Stapel von Papier liegen vor Dir, und es freut Dich.
So viele Stunden Arbeit, unterbrochen höchstens vom Essen oder Schlafen, und keine Zeit zum Nachdenken. Du lässt Dir besonders viel Zeit, Seite für Seite.
Wenn Du wirklich einmal Pause machen solltest, dann sitzt Du einfach nur da, schaust nach draußen, und hörst auf den Regen. Er hat keine Melodie für Dich, doch er erfüllt seinen Zweck, denn das Klopfen verdrängt die Gedanken, die Du jetzt am wenigsten brauchst.
Die Angst vor dem Moment, in dem Deine Arbeit getan und der Regen vorbei ist, die bleibt trotzdem, ganz hinten, aber immer spürbar.
Du hast zu tun, doch der einzige Grund, warum Du Deiner Arbeit nachgehst, ist die Ablenkung. Stapel von Papier liegen vor Dir, und es freut Dich.
So viele Stunden Arbeit, unterbrochen höchstens vom Essen oder Schlafen, und keine Zeit zum Nachdenken. Du lässt Dir besonders viel Zeit, Seite für Seite.
Wenn Du wirklich einmal Pause machen solltest, dann sitzt Du einfach nur da, schaust nach draußen, und hörst auf den Regen. Er hat keine Melodie für Dich, doch er erfüllt seinen Zweck, denn das Klopfen verdrängt die Gedanken, die Du jetzt am wenigsten brauchst.
Die Angst vor dem Moment, in dem Deine Arbeit getan und der Regen vorbei ist, die bleibt trotzdem, ganz hinten, aber immer spürbar.
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Samstag, 31. März 2007
Eine chemische Romanze
tobi-wan, 21:39h
Wer auch immer den kleinen Blumenladen an der Straßenecke betrat, fühlte sich für den Moment seines Besuches in eine andere Welt versetzt, voller Lebendigkeit und schöner Farben.
Wohl auch aus dem Grund hatte der Junge seine Ausbildung in diesem Laden begonnen.
Sein Chef, den er schon nach drei Tagen eher als Mentor betrachtete, stand kurz vor der Pensionierung, so dass der Junge sein letzter Auszubildender sein würde.
Lag es daran, dass er ihn so gut behandelte?
„Mein Junge, Blumen und Menschen haben ein besonderes Verhältnis zueinander.
Manche passen besser zusammen als andere. Wenn Deine Ausbildung fertig ist, dann wirst Du erkennen, welche Blume zum Kunden passt, sobald er den Laden betritt.“
Daran glaubte der Junge zwar zu Beginn keine Sekunde, widersprach seinem Chef aber auch nicht.
Am besten gefiel es ihm, für die Kunden die passenden Blumen zusammenzustellen.
Im Laden waren alle viel freundlicher als draußen auf der Straße, so als würde diese kleine faszinierende Welt ihnen beim Lächeln helfen.
So verwunderte es nicht, dass viele der Kunden regelmäßig kamen.
Aber ein Kunde, Herr Henkelmann, war so besonders, dass ihm sein Chef bereits am ersten Tag der Ausbildung von ihm erzählte.
„Herr Henkelmann besucht uns jeden Freitag so gegen 17 Uhr. Er lässt jedes Mal einen Strauß Blumen zusammenstellen, für seine Frau.
Welche Blumen das sind, überlässt er Dir.
Sieh einfach zu, dass sie zusammenpassen.
Nur eines ist sehr wichtig: Es muss eine gelbe Rose darunter sein, und zwar eine aus dem Eimer, der hier unter der Kasse steht. Das sind nämlich keine normalen Rosen, ich habe jeder einzelnen von ihnen ein paar Tropfen einer Mixtur mit außergewöhnlicher Wirkung in die Blüte geträufelt.“
Der Junge sah seinen Chef verwundert an.
„Was bewirken diese Tropfen?“
Sein Chef begann zu lächeln.
„Ich erinnere mich noch genau daran, wie Herr Henkelmann zum ersten Mal hier war.
Er wollte einen Strauß Blumen kaufen.
Also fragte ich ihn, für wen die Blumen gedacht seien.
„Für eine Dame“, antwortete er knapp.
„Und ist es eine besondere Dame?“, fragte ich weiter.
Da verdunkelte sich sein vorher noch sehr heiterer Blick.
„Ja, das ist sie.“
Jetzt wollte ich es genau wissen. Denk daran, Du musst Deine Kunden kennen, um ihnen die richtigen Blumen zu verkaufen.
Deshalb fragte ich ihn, warum er denn so traurig aussah, wenn er von dieser besonderen Dame sprach.
„Weil bei ihr alle Mühe vergeblich ist“, lautete seine knappe Antwort.
Da wusste ich sofort, wie ich dem Mann helfen konnte.
Ich erinnerte mich an ein Rezept, was mir mein Chef, ein wirklich kluger Mann, einmal verraten hatte. Mit diesem Rezept konnte ein Mittel hergestellt werden, dessen Duft ausreichte, um jede Frau zu verführen.
Ja mein Junge, als ich zum ersten Mal davon gehört habe, musste ich auch grinsen.
Aber vertrau` mir, es funktioniert!
Mein Chef war der lebende Beweis.
Ich habe es ihm auch erst wirklich geglaubt, als ich die vielen hübschen Frauen sah, die zu seiner Beerdigung kamen.
Von da an probierte ich es selbst aus und ich kann Dir eines versichern:
Dieses Wundermittel ist der heilige Gral, nach dem ein jeder Mann sein Leben lang insgeheim sucht, und mein Chef hatte ihn gefunden. Ich weiß nicht, warum er dieses Rezept nicht zu Geld gemacht hat. Vermutlich siegte am Ende einfach der Egoismus, bei mir ist es ja genauso gewesen.
Wie auch immer, Herr Henkelmann war zunächst sehr skeptisch.
Also gab ich ihm den Blumenstrauß mit den beträufelten gelben Rosen, ohne dass er dafür bezahlen musste.
Genau eine Woche später betrat ein vollkommen veränderter Herr Henkelmann meinen Laden, dessen Glück in jedem Wort, das er sprach, und in jeder seiner Gesten zu sehen war. Von da an kaufte er immer freitags einen Blumenstrauß, und jedes Mal musste ich ihm eine der besonderen gelben Rosen mit hinein binden.
Schon bald sagte ich ihm, dass die gelbe Rose gar nicht mehr nötig sei, doch er wollte kein Risiko eingehen.
So geht das bis heute. In einer halben Stunde müsste er hier sein.“
Nachdem der Chef dem Jungen die Geschichte von Herrn Henkelmann erzählt hatte, ging er nach Hause.
Der Junge stand nun das erste Mal alleine im Laden und dachte nach.
Was fehlte dem Herrn Henkelmann, warum hatte er das Herz seiner Frau nicht auch ohne die gelbe Rose gewinnen können?
Erst das Klingeln der kleinen Türglocke holte ihn aus seinen Gedanken zurück.
Herr Henkelmann betrat den Laden, mit schwungvollem Schritt und freundlichem Gesicht. Er stellte sich vor die Kasse und bat um den üblichen Strauß.
„Junger Mann, dass sie mir ja nicht die gelbe Rose vergessen!“
Der Junge fasste einen Entschluss.
„Sie bekommen den Strauß, aber wir haben leider keine der besonderen gelben Rosen mehr.“
Sofort wurde Herr Henkelmanns Körperhaltung unsicherer und seine gesunde Gesichtsfarbe verwandelte sich in Blässe.
„Wissen Sie, diese Rose ist sehr wichtig für mich. Ohne sie brauche ich gar nicht erst nach Hause zu gehen.“
Doch der Junge begann bereits damit, die anderen Blumen für den Strauß zusammenzubinden.
„Die Rose hat mir eine wunderbare, mittlerweile fünfjährige Beziehung ermöglicht.
Wollen Sie, dass ich die nun einfach aufgebe? “
Der Junge hielt für einen Moment inne.
„Denken Sie im Ernst, dass eine gelbe Rose ihre Frau dazu gebracht hat, sich in Sie zu verlieben?
Glauben Sie mir, sie wird sich auch so über den Strauß freuen.
Er kommt doch von Ihnen.“
So verließ Herr Henkelmann den Blumenladen zu ersten Mal mit einem Strauß, in dem die gelbe Rose fehlte.
Der Junge aber war zuversichtlich:
Herr Henkelmann würde trotzdem wie gewohnt am nächsten Freitag zurückkehren, um Blumen für seine Frau zu kaufen.
Dann wird er endlich eingesehen haben, wie wenig er die gelben Rosen noch benötigt.
Wohl auch aus dem Grund hatte der Junge seine Ausbildung in diesem Laden begonnen.
Sein Chef, den er schon nach drei Tagen eher als Mentor betrachtete, stand kurz vor der Pensionierung, so dass der Junge sein letzter Auszubildender sein würde.
Lag es daran, dass er ihn so gut behandelte?
„Mein Junge, Blumen und Menschen haben ein besonderes Verhältnis zueinander.
Manche passen besser zusammen als andere. Wenn Deine Ausbildung fertig ist, dann wirst Du erkennen, welche Blume zum Kunden passt, sobald er den Laden betritt.“
Daran glaubte der Junge zwar zu Beginn keine Sekunde, widersprach seinem Chef aber auch nicht.
Am besten gefiel es ihm, für die Kunden die passenden Blumen zusammenzustellen.
Im Laden waren alle viel freundlicher als draußen auf der Straße, so als würde diese kleine faszinierende Welt ihnen beim Lächeln helfen.
So verwunderte es nicht, dass viele der Kunden regelmäßig kamen.
Aber ein Kunde, Herr Henkelmann, war so besonders, dass ihm sein Chef bereits am ersten Tag der Ausbildung von ihm erzählte.
„Herr Henkelmann besucht uns jeden Freitag so gegen 17 Uhr. Er lässt jedes Mal einen Strauß Blumen zusammenstellen, für seine Frau.
Welche Blumen das sind, überlässt er Dir.
Sieh einfach zu, dass sie zusammenpassen.
Nur eines ist sehr wichtig: Es muss eine gelbe Rose darunter sein, und zwar eine aus dem Eimer, der hier unter der Kasse steht. Das sind nämlich keine normalen Rosen, ich habe jeder einzelnen von ihnen ein paar Tropfen einer Mixtur mit außergewöhnlicher Wirkung in die Blüte geträufelt.“
Der Junge sah seinen Chef verwundert an.
„Was bewirken diese Tropfen?“
Sein Chef begann zu lächeln.
„Ich erinnere mich noch genau daran, wie Herr Henkelmann zum ersten Mal hier war.
Er wollte einen Strauß Blumen kaufen.
Also fragte ich ihn, für wen die Blumen gedacht seien.
„Für eine Dame“, antwortete er knapp.
„Und ist es eine besondere Dame?“, fragte ich weiter.
Da verdunkelte sich sein vorher noch sehr heiterer Blick.
„Ja, das ist sie.“
Jetzt wollte ich es genau wissen. Denk daran, Du musst Deine Kunden kennen, um ihnen die richtigen Blumen zu verkaufen.
Deshalb fragte ich ihn, warum er denn so traurig aussah, wenn er von dieser besonderen Dame sprach.
„Weil bei ihr alle Mühe vergeblich ist“, lautete seine knappe Antwort.
Da wusste ich sofort, wie ich dem Mann helfen konnte.
Ich erinnerte mich an ein Rezept, was mir mein Chef, ein wirklich kluger Mann, einmal verraten hatte. Mit diesem Rezept konnte ein Mittel hergestellt werden, dessen Duft ausreichte, um jede Frau zu verführen.
Ja mein Junge, als ich zum ersten Mal davon gehört habe, musste ich auch grinsen.
Aber vertrau` mir, es funktioniert!
Mein Chef war der lebende Beweis.
Ich habe es ihm auch erst wirklich geglaubt, als ich die vielen hübschen Frauen sah, die zu seiner Beerdigung kamen.
Von da an probierte ich es selbst aus und ich kann Dir eines versichern:
Dieses Wundermittel ist der heilige Gral, nach dem ein jeder Mann sein Leben lang insgeheim sucht, und mein Chef hatte ihn gefunden. Ich weiß nicht, warum er dieses Rezept nicht zu Geld gemacht hat. Vermutlich siegte am Ende einfach der Egoismus, bei mir ist es ja genauso gewesen.
Wie auch immer, Herr Henkelmann war zunächst sehr skeptisch.
Also gab ich ihm den Blumenstrauß mit den beträufelten gelben Rosen, ohne dass er dafür bezahlen musste.
Genau eine Woche später betrat ein vollkommen veränderter Herr Henkelmann meinen Laden, dessen Glück in jedem Wort, das er sprach, und in jeder seiner Gesten zu sehen war. Von da an kaufte er immer freitags einen Blumenstrauß, und jedes Mal musste ich ihm eine der besonderen gelben Rosen mit hinein binden.
Schon bald sagte ich ihm, dass die gelbe Rose gar nicht mehr nötig sei, doch er wollte kein Risiko eingehen.
So geht das bis heute. In einer halben Stunde müsste er hier sein.“
Nachdem der Chef dem Jungen die Geschichte von Herrn Henkelmann erzählt hatte, ging er nach Hause.
Der Junge stand nun das erste Mal alleine im Laden und dachte nach.
Was fehlte dem Herrn Henkelmann, warum hatte er das Herz seiner Frau nicht auch ohne die gelbe Rose gewinnen können?
Erst das Klingeln der kleinen Türglocke holte ihn aus seinen Gedanken zurück.
Herr Henkelmann betrat den Laden, mit schwungvollem Schritt und freundlichem Gesicht. Er stellte sich vor die Kasse und bat um den üblichen Strauß.
„Junger Mann, dass sie mir ja nicht die gelbe Rose vergessen!“
Der Junge fasste einen Entschluss.
„Sie bekommen den Strauß, aber wir haben leider keine der besonderen gelben Rosen mehr.“
Sofort wurde Herr Henkelmanns Körperhaltung unsicherer und seine gesunde Gesichtsfarbe verwandelte sich in Blässe.
„Wissen Sie, diese Rose ist sehr wichtig für mich. Ohne sie brauche ich gar nicht erst nach Hause zu gehen.“
Doch der Junge begann bereits damit, die anderen Blumen für den Strauß zusammenzubinden.
„Die Rose hat mir eine wunderbare, mittlerweile fünfjährige Beziehung ermöglicht.
Wollen Sie, dass ich die nun einfach aufgebe? “
Der Junge hielt für einen Moment inne.
„Denken Sie im Ernst, dass eine gelbe Rose ihre Frau dazu gebracht hat, sich in Sie zu verlieben?
Glauben Sie mir, sie wird sich auch so über den Strauß freuen.
Er kommt doch von Ihnen.“
So verließ Herr Henkelmann den Blumenladen zu ersten Mal mit einem Strauß, in dem die gelbe Rose fehlte.
Der Junge aber war zuversichtlich:
Herr Henkelmann würde trotzdem wie gewohnt am nächsten Freitag zurückkehren, um Blumen für seine Frau zu kaufen.
Dann wird er endlich eingesehen haben, wie wenig er die gelben Rosen noch benötigt.
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